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WAZ: Der Handel braucht Grenzen - Kommentar von Frank Preuß

Essen (ots) - Zu viele Handelsflächen, zu wenig politische Steuerung: Das Lamento der Handelskammern über die Zustände in den Innenstädten ist keineswegs neu, und doch ist die Kritik immer wieder berechtigt. Zumal sich nicht viel tut: Fachmärkte und Discounter überschwemmen das Ruhrgebiet, die Zahl der Einkaufszentren steht in keinem Verhältnis zur schrumpfenden Bevölkerung, und nun drängt es so-gar schon Möbelriesen mitten in die Stadt. In Sonntagsreden preisen Bürgermeister zwar gern den Wert überregionaler Zusammenarbeit, aber wenn's ans Eingemachte geht, also ans Geld, bricht sich das ungesunde Konkurrenzdenken Bahn. Das hat auch damit zu tun, dass Gewerbesteuern lokal und nicht regional eingesammelt werden. Im westlichen Ruhrgebiet wird es ein abgestimmtes Einzelhandelskonzept wohl erst dann geben, wenn sämtliche Handelsketten mit ihren Expansionswünschen gesättigt wurden. Und dann braucht man keins mehr. Wer soll das alles kaufen, fragt man sich erst - und dann: Wer kann diesen Wettbewerb überleben? Die Frage, wie es in einer zusehends überalterten Gesellschaft eines nicht allzu fernen Tages mit der Versorgung vor der Tür aussieht, darf beunruhigen. Und wenn die Politik mit mehr Mut und Weitsicht große Projekte auch einmal ablehnt, dann hat das mit Planwirtschaft nichts zu tun. Sondern mit Stadtplanung.

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