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WAZ: Die Euro-Rettungsaktion - Letzter Versuch. Kommentar von Detlef Fechtner

Essen (ots) - Es geht nicht mehr um die Griechen. Es geht um die Wurst. Wochenlang haben Europas Regierungen darauf gesetzt, die Wetten gegen Euro-Länder durch gutes Zureden zu bremsen. Vergeblich. Deshalb haben sich Europas Regierungschefs entschlossen, sich den Spekulanten entgegenzustellen.

Kann eine von den Investoren erpresste Euro-Gemeinschaftsaktion sinnvoll sein? Ja. Es ist ein Missverständnis zu glauben, dass die Euro-Staaten und die Euro-Notenbank mit ihrem Schulterschluss den Spekulanten nachgeben. Im Gegenteil: Sie bieten ihnen die Stirn. All jene, die schnelles Geld auf Kosten der Steuerzahler verdienen konnten, warnen sie nun davor, dass Europa ihnen bei ihrem Wettspiel herbe Verluste beibringen kann. So wollen sie den Euro verteidigen. Wenn es gut geht, beruhigen sich die Finanzmärkte. Oder die Investoren erzwingen Hilfsaktionen - aber alle Euro-Länder bleiben von Schlimmerem verschont.

Im schlechten Fall nutzen selbst die ge-meinsamen Rettungseinsätze nichts mehr, um die Euro-Zone zu retten. Schwache Euro-Staaten müssen austreten, vielleicht muss der ganze Verbund gelöst werden. Deutschland geriete unter Aufwertungsdruck, müsste um seinen Export fürchten. Ein enormes Risiko. Aber wenn es Merkel u. Co. nicht eingegangen wären, hätten sie wohl bald Portugal und Spanien retten müssen - und vor dem gleichen Problem gestanden.

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