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WAZ: Es ist auch Köhlers Stunde. Kommentar von Miguel Sanches

Essen (ots) - Wenn es ein Feld gibt, auf dem Horst Köhler über viel Expertise verfügt, ist es die Finanzpolitik. Auch ohne ein Fachmann zu sein, kann sich jeder Bürger ausrechnen, dass eine große Spar-Orgie bevorsteht.

Jeder wird auch den Satz unterschreiben, dass sich eine Rettungsaktion wie für die Banken und in diesen Tagen für Griechenland "nicht wiederholen lässt". Und längst gesellschaftsfähig ist auch die Analyse, dass die Banken ein paar Regeln mehr brauchen. So weit, so gut, so nah am Bürger. Es war eine gute, fundierte und vor allem anschauliche Rede.

Noch überzeugender wäre sie geworden, wäre Köhler auch auf den Geburtsfehler des Euro eingegangen. Es ist offenbar ein Schönwetter-Währungssystem, bei dem man Regeln, Verfahren, Strafen für den Fall "vergessen" hat, dass ein Land trickst. Und daran war Horst Köhler als Spitzenbeamter nicht unbeteiligt.

Ein kluger Kopf hat die Krise mit einer Grippe verglichen, die sich zu einer Lungenentzündung ausweiten kann - nicht muss. Man wird bei jeder Grippe nicht nach den stärksten Antibiotika greifen. Was richtig oder falsch ist, weiß man oft erst hinterher. Viele können erklären, was schief gelaufen ist. Wenige haben die Weitsicht, früh zu handeln. Das wäre der Part der Kanzlerin, aber es kann nicht schaden, auf den Ratgeber in Schloss Bellevue zu hören.

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