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WAZ: Der Vulkan, die Welt und wir - Asche im Getriebe - Leitartikel von Jens Dirksen

Essen (ots) - Über Kontinente und Meere hinweg hat Eyjafjallajökull Asche ins Getriebe der Welt gestreut. Aber so dramatisch, so kostspielig die Auswirkungen des isländischen Vulkanausbruchs im Einzelfall auch sein mögen: Man zögert doch unwillkürlich, von einer Katastrophe zu sprechen. Man hält den Atem an, ein wenig fasziniert, ganz ähnlich wie im Winter, wenn der erste Schnee alles unter einen weißen Teppich kehrt und nicht nur Autofahrer auf die Bremse treten. Mancher mag sich gar an den alten mütterlichen Trostspruch erinnern: "Solange der Schaden noch mit Geld zu bezahlen ist..." Der Ausbruch dieses Vulkans ist der Einbruch der Natur in eine Zivilisation, die jeden neuen Zugewinn an Effizienz und Tempo damit bezahlt, dass sie immer störungsanfälliger wird. Es scheint paradox: Je schneller der Alltag wird, desto leichter ist er stillzustellen. Je dichter sich die Welt vernetzt, desto eher ist eine Erschütterung irgendwo auf der Welt auch rund um den Globus zu spüren. Das Jahrhundert, das mit dem 11. September 2001 begann, dürfte unruhiger werden als jedes andere zuvor. All das wissend, staunt man doch: Ein lokales Ereignis, das früher nur eine Handvoll Isländer in Bedrängnis gebracht hätte, sorgt beinahe global für eine Zwangspause. Für Momente, in denen uns auffällt, dass das Leben anders tickt als eine Stechuhr, als ein Fünfjahresplan. Man findet bei Gelegenheiten wie dieser zurück zur Demut vor dem Unvorhersehbaren, die wir über all dem Machbaren verlernen. Aus dem Innersten der Erde, dem Kern des Lebens hervorgebrochen ist die Erinnerung daran, dass die Natur eben doch keine Maschine ist - weder ein Vulkan noch der Mensch. Selbstverständlich brauchen wir die täglichen Wettervorhersage, um über schlechte Wettervorhersagen schimpfen zu können. Aber wir brauchen sie auch, um hin und wieder überrascht zu werden. Von der Natur, vom wirklichen Leben.

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