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WAZ: Fünf Jahre Hartz IV-Reform - Klischees und Fakten - Leitartikel von Frank Stenglein

    Essen (ots) - Oft sind Klischees wirkungsmächtiger als Fakten. Die Hartz-IV-Reform ist dafür ein klassisches Beispiel. Dilettantisch kommuniziert, radikal angefeindet, halbherzig verteidigt, und obendrauf dieser harsche Name - kein Wunder, dass sich in der Öffentlichkeit ein Bild des Grauens festgesetzt hat. Dabei ging unter, dass die Reform in Teilen durchaus erfolgreich war. Langzeitarbeitslose erhielten vor Hartz IV Arbeitslosenhilfe und wurden viel zu oft ihrem Schicksal überlassen, Sozialhilfe war häufig eine reine Ruhigstellung. Hatte das etwas mit Menschenwürde zu tun oder war es nicht vielmehr Ausdruck von Gleichgültigkeit? Dass die Gesellschaft als Gegenleistung für Hilfe umfängliche Arbeitsbereitschaft erwartet, ist keinesfalls unverschämt. Die Unterstützung muss ja jemand erarbeiten. Es sollte aber auch im Interesse der Betroffenen liegen, denn fürs Selbstwertgefühl ist (fast) jede Arbeit besser als gar keine. Die Philosophie, Hilfe aus einer Hand anzubieten und diese mit Nachdruck zu versehen, war jedenfalls richtig. Allerdings stimmt auch, dass es im Detail Fehler gab, etwa das niedrige, jüngst nach oben korrigierte Schonvermögen. Hartz IV ist insoweit eine Dauerbaustelle - eine notwendige.

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