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WAZ: Das falsche Menschenbild. Kommentar von Frank Stenglein

    Essen (ots) - Mit dem Betreuungsgeld hat die Koalition ein Dilemma am Bein. Nichts gegen Familienförderung, normalerweise auch nichts gegen das Prinzip der eigenverantwortlichen Mittelverwendung. Doch wenn gerade diejenigen Kinder am wenigsten profitieren, die es am nötigsten hätten, wäre das schwer erträglich.

      Man muss da gar nicht moralisieren, um gut oder böse geht es
nicht. Pauschal befragt, wünschen alle Eltern, auch arme, ihren
Kindern bestimmt nichts Schlechtes. Nur: Der Anreiz, das zusätzliche
Geld lieber in den allgemeinen Konsum zu stecken, ist bei ohnehin
schmalem Budget einfach groß. Und zur Wahrheit gehört auch, dass es
"unten" bildungsferne Verwahrlosungstendenzen gibt, die die Förderung
des Nachwuchses aus dem Blick geraten lassen. Wenn die CSU das
kleinredet, erkennt man die Heile-Welt-Perspektive.

      So bitter es ist: Der Unterschicht hilft kein idealistisches
Menschenbild. Hier muss der Staat auch mal robust agieren, damit sich
Armut nicht von Generation zu Generation verfestigt. Wenn es
überhaupt ein Betreuungsgeld geben soll, dann muss es - notfalls per
Gutschein - bei den Kindern ankommen. Sonst kann man es sich sparen.

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