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WAZ: Schuldig, aber straffrei - Fehler im System - Leitartikel von Christoph Meinerz

    Essen (ots) - Die Vorstellung ist nicht nur für Angehörige der Opfer unerträglich. In Düsseldorf lebt ein im juristischen Sinne unbescholtener Mann, obwohl er nach Überzeugung der Ermittler 1993 eine junge Frau getötet hat. Damals war ihm die Tat nur deshalb nicht zweifelsfrei nachzuweisen, weil es noch keinen DNA-Test gab. In Heinsberg wohnt ein Kinderschänder in Freiheit, obwohl er weiterhin als gefährlich gilt. Deshalb warnt die Polizei dort öffentlich vor diesem Mann. Mehr kann der Staat nicht tun. Zwei unterschiedliche Fälle, zweimal verkehrte Welt. Jeder mutmaßliche Mörder verdient einen fairen Prozess. Weshalb er aber straffrei bleiben soll, wenn man ihn später aufgrund neuer Beweise überführen könnte, ist nicht nachvollziehbar. Der Laie fragt sich, weshalb der Bundestag dafür noch Experten anhören muss, bevor er diese offensichtlich inakzeptable Gesetzeslücke schließt. Ähnlich der Fall des Sexualstraftäters Karl D. in Heinsberg. Wenn Richter für therapieunwillige Kinderschänder keine Sicherungsverwahrung mehr anordnen dürfen, ist auch das ein Fehler im System.

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