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WAZ: Runder Tisch für Heimkinder - Geschundene Seelen - Leitartikel von Angelika Wölk

    Essen (ots) - Wer will das Leid vieler Heimkinder ermessen, wer auch nur erahnen? Zwischen 1950 und Anfang der 70er-Jahre spielte sich ein dunkles Kapitel in der Geschichte der Bundesrepublik ab. Tausende Kinder wurden in Heime gesteckt, die mehr Gefängnis waren als Zuflucht. Und viele dieser Kinder mussten harte Arbeit verrichten, wurden gequält, geschlagen, sexuell missbraucht. Und was besonders schwer wiegt: Viele dieser Orte ohne Barmherzigkeit befanden sich in kirchlicher Obhut. Für geschundene Kinderseelen bedeutete gerade das oftmals eine weitere Verschlimmerung ihres Leids: Ordensleute, kirchliche Mitarbeiter, galten in der Öffentlichkeit als beinahe unantastbar. Niemand hätte einem gequälten Kind geglaubt. Doch die Opfer schwiegen auch aus anderen Gründen: Sie wurden so sehr gedemütigt, dass sie bis ins hohe Alter aus Scham stumm blieben. Die Hilfe, die sie jetzt endlich erfahren, ist nur ein schwacher Trost. Doch - gottlob - ihr Leid wird nicht vergessen. Und auch wenn Geld die geraubte Kindheit niemals zurückgeben kann, eine Entschädigung ist das Mindeste, was ihnen zusteht.

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