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WAZ: Nicht klug beraten. Kommentar von Hans-Josef Justen

Essen (ots) - Ist Einsicht tatsächlich der erste Schritt auf dem Weg zur Besserung, dann steht dem Ex-Nationalspieler Kevin Kuranyi eine wonnige Zukunft in Aussicht. Denn mit der Verzögerung von anderthalb Tagen hat er den fluchtartigen Abschied von der Nationalmannschaft als einen Fehler bezeichnet. Leider bezog er sich dabei allein auf die Umstände und keineswegs auf die denkbaren Ursachen. Dass er menschlich wie sportlich bitter enttäuscht ist, bei Bundestrainer Joachim Löw nicht jene Anerkennung zu finden, die er für sich selbst einfordert, ist durchaus verständlich. Dass es ihn wurmt, dass es ihn schlaflose Nächte kostet, ins zweite, dritte, vierte Glied zurückgestellt zu werden, lässt sich gleichfalls nachvollziehen. Doch dass er immer noch nicht kapiert, dass ihn keine Intrigen, keine vorsätzliche Ignoranz um die Chance gebracht haben, sondern dass es die eigenen unzureichenden Leistungen gewesen sind, ist eigentlich nicht zu fassen. Kuranyi wäre deshalb besser beraten, sich selbst stärker und kritischer zu hinterfragen, als auf Manager zu hören. Denn Roger Wittmann, sein "Vertragshändler", lobt ihn aus profitablem Eigennutz, und Schalkes Sportlicher Leiter Andreas Müller scheint es Methode werden zu lassen, die Herren Profis in Watte zu packen. Er drückte nach nächtlichen Eskapaden ein Auge zu, er fiel in der Affäre um Rafinha lediglich durch starke Worte auf, und er äußert jetzt volles Verständnis für Kuranyi, den der DFB angeblich zu schlecht behandelt. Dabei unterschlägt Müller jedoch, wie gut der Schalker Heiko Westermann "behandelt" wird, der statt Weinerlichkeit Klasseleistungen einbringt. Pressekontakt: Westdeutsche Allgemeine Zeitung Zentralredaktion Telefon: 0201 / 804-2727 zentralredaktion@waz.de Original-Content von: Westdeutsche Allgemeine Zeitung, übermittelt durch news aktuell

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