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WAZ: Regierung will Bürger fit machen - Esst mehr Obst! - Leitartikel von Christopher Onkelbach

Essen (ots) - Eine Herde sehr besorgt dreinblickender Borstenviecher hält den fleischfressenden Menschen ein Protestplakat entgegen: "Esst mehr Obst!" Diese Karikatur kann einem in den Sinn kommen bei dem Plan der Regierung, die Deutschen von einer besseren Ernährung zu überzeugen. Denn ob der Appell der Schweine den Metzger rührt, erscheint ebenso fraglich wie eine nachhaltige Wirkung der Regierungsaktion auf die Verbraucher. Sicher, die Fakten geben Anlass zur Sorge: 70 Milliarden sollen die Folgen falscher Ernährung das Gesundheitssystem kosten, immer mehr Kinder erkranken an Diabetes, zwei Drittel der deutschen Männer und die Hälfte der Frauen gelten als zu dick, Essstörungen bei Jugendlichen nehmen zu. Hier 30 Millionen Euro für einen nationalen "Abspeckplan" auszugeben, scheint vergleichsweise gut angelegtes Geld zu sein. Zu befürchten ist aber, dass die Kampagne ebenso verpufft, wie zahlreiche andere zuvor. Wer Burger liebt, Alkohol trinkt oder Tabak qualmt wird sich durch Appelle kaum daran hindern lassen. Auch wenn es für die Politik unbequem ist: Jeder Mensch hat die Freiheit, sich selbst zu schädigen - doch könnte man es ihm dabei ein wenig schwerer machen. Wüsste er genauer, was er zu sich nimmt, hätte er immerhin die Freiheit der Wahl. Doch nach wie vor weigert sich die Lebensmittelindustrie, auf ihren Verpackungen klar und verständlich anzugeben, was drin ist. Eine simple Ampelkennzeichnung - rot: hohe Werte für Fett, Zucker oder Salz, gelb: mittel, grün: gering - hat sich in Großbritannien bewährt. Doch in Deutschland sträubt sich die Industrie, das System zu übernehmen, und Gesundheitsminister Seehofer unterstützt lieber den neuen Aktionsplan, als den Unternehmen auf die Füße zu treten. Er setzt auf eine freiwillige Einigung bei den Kennzeichnungsregeln. Untersuchungen von Verbraucherschutzorganisationen zeigten, wie irreführend die bestehenden Angaben sind. Da blicken nur wenige durch, die Vergleiche fallen schwer. Und wo Bio, Vollkorn oder Wellness drauf steht, ist oft jede Menge Zucker drin. Auch viele als gesunde Fitmacher beworbene Lebensmittel für Kinder - Jogurts, Säfte, Frühstücksflocken, Limonaden, Würstchen, Fertiggerichte - sind häufig zu süß, zu fettig oder zu salzig. Das ist weder gesund, noch macht es fit, sondern nur dick. Eine simple Rot-Gelb-Grün-Kennzeichnung würde dem Verbraucher auf einen Blick deutlich machen, was er da zu sich nimmt. Wenn er es trotzdem isst, bitteschön. Pressekontakt: Westdeutsche Allgemeine Zeitung Zentralredaktion Telefon: 0201 / 804-2727 zentralredaktion@waz.de Original-Content von: Westdeutsche Allgemeine Zeitung, übermittelt durch news aktuell

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