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WAZ: Euphorie in der SPD. Kommentar von Norbert Robers

    Essen (ots) - Darauf hat die SPD lange warten müssen - auf gute Nachrichten. Wie unendlich groß die Sehnsucht nach einem Befreiungsschlag sein muss, zeigen die Umstände der Kür von Gesine Schwan zur Präsidentschaftskandidatin.

      Die Nominierung wirkt wie ein Rauschmittel. Charmant, souverän,
schlagfertig, mit klaren politischen Ansagen: Die Professorin aus
Berlin musste sich einfach nur so geben, wie sie ist, um die Mehrzahl
der Sozialdemokraten zu beglücken. Das sagt viel über den inneren
Zustand der SPD und über die Qualitäten der Führungstruppe aus.
Gleichwohl ist völlig offen, wie lange dieser Euphorie-Schub anhält.

      Natürlich ist die Nominierung von Gesine Schwan auch eine
strategische Wegweisung. Mit einem neuen, erfrischenden und dem
Linksextremismus unverdächtigen Gesicht robbt sich die SPD an die
Linkspartei heran. Das mag strategisch ein Fehler sein, weil die SPD
Profil preisgibt und in der Mitte verliert. Aber es ist ein legitimer
Schachzug. Die SPD kann nicht auf die Links-Stimmen setzen und diese
Unterstützung gleichzeitig als peinlich verschweigen. Gesine Schwan
weiß das und prescht deshalb vor. Das Rumgeeiere hat ein Ende.

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