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WAZ: Vom Sterben in Würde - Kommentar von Ulrich Schilling-Strack

    Essen (ots) - Den Tod hat sie herbeigesehnt, diese tapfere Frau, und das Sterben hat sich Chantal Sébire so vorgestellt: in der Morgendämmerung, nach einem ausgelassenen Fest, umgeben von den Menschen, die sie liebt.

      Diesen Wunsch, ihren letzten, ihren größten, hat man ihr versagt.
Wir kennen die näheren Umstände nicht, unter denen Chantal Sébire aus
dem Leben schied. Aber es war wohl nicht so, wie es sein sollte, und
deshalb fühlen wir über ihren Tod hinaus die Ohnmacht, die
Verzweiflung.

      Wir teilen auch ihren Zorn. Über Politiker, die sich
davonstahlen, mit ein paar unverbindlichen Worten der Anteilnahme und
dem Verweis auf die Paragrafen.

      Das war zuwenig. Viel zu lang kämpfte Chantal Sébire allein gegen
den Krebs, gepeinigt von unerträglichen Schmerzen. Den Selbstmord
lehnte sie ab. Ins Ausland, wo Hilfe lockte, wollte sie nicht
fliehen. Sie kämpfte für ein Sterben in Würde und hoffte auf Hilfe
vom Staat.

      Der will jetzt das Gesetz überprüfen, das Chantal Sébire noch
allein gelassen hatte. Ein kleiner Sieg in dieser großen Tragödie.

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