EKD Evangelische Kirche in Deutschland

Margot Käßmann als EKD-Botschafterin für das Reformationsjubiläum 2017 eingeführt

Hannover (ots) - Achtung: Das Grußwort von Katrin Göring-Eckardt - Präses der Synode der EKD - ist mit Sperrfrist 14.30 Uhr versehen.

Nikolaus Schneider: "Inhaltliche Anliegen der Reformation 'allem Volk' vergegenwärtigen - durch Predigten, Vorträge, Gottesdienste"

Am heutigen Freitag wurde Margot Käßmann in einem Gottesdienst in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche in Berlin in ihr neues Amt als "Botschafterin des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) für das Reformationsjubiläum 2017" eingeführt.

Die Einführung vollzog der Vorsitzende des Rates der EKD, Präses Nikolaus Schneider. In seiner Ansprache sagte er in Bezug auf das biblische Wort "So sind wir nun Botschafter an Christi statt, denn Gott ermahnt durch uns; so bitten wir nun an Christi statt: Lasst euch versöhnen mit Gott!" aus dem Zweiten Korintherbrief (Kap. 5, Vers 20): "Die Botschaft von der Versöhnung war und ist das Entscheidende. Versöhnung mit Gott heißt: durch Christus ist der Himmel für alle Menschen geöffnet. Himmel und Erde begegneten sich in Jesus Christus. Durch Christus versöhnt ist es möglich, die Gegenwart Gottes auf Erden zu erfahren, als Menschen neu zu werden und anderen Menschen diese gute Botschaft weiter zu geben."

Paulus und später auch die Reformatoren, so Schneider, hätten "zwischen der Botschaft und den mit der Verbreitung der Botschaft betrauten Menschen" zu unterscheiden gewusst. Gottes Wort sei "wirkmächtig" aus sich selbst heraus. Aber es berufe und befähige Menschen dazu, "Zeugnis zu geben von seinem lebendigen Wort". Bei der Berufung von Margot Käßmann gehe es um einen "ganz konkreten Botschaftsdienst." Er solle nicht nur an ein wichtiges geschichtliches Ereignis erinnern, sondern auch die inhaltlichen Anliegen der Reformation "allem Volk" vergegenwärtigen.

Von Wittenberg ausgehend, so der Ratsvorsitzende weiter, habe die Reformation zunächst in ganz Europa und schließlich auch weltweit gewirkt. Schneider: "Vieles, was Menschen heute selbstverständlich ist, gründet in der Reformation, zum Beispiel manche Weichenstellungen, die für unseren demokratischen Staat konstitutiv sind und viele Impulse, die unser staatliches Bildungswesen voran gebracht haben." Als Botschafterin des Rates der EKD, so Nikolaus Schneider abschließend, warteten vielfältige Aufgaben Margot Käßmann: "Gottesdienste und Predigten, Vorträge und Reden zu den Themen der Lutherdekade und dem Reformationsjubiläum 2017."

Die ehemalige hannoversche Landesbischöfin und EKD-Ratsvorsitzende Margot Käßmann predigte nach ihrer Einführung über das an den Beginn des Johannesevangeliums (Kapitel 1, Vers 1) angelehnte Motto der Lutherdekade, die seit 2008 auf das Reformationsjubiläum 2017 hinführt: "Am Anfang war das Wort". Der Weg des Glaubens, so Käßmann, sei kein "Weg der Entmündigung", sondern ein "Weg der Ermutigung". Das Licht Jesu Christi erleuchte alle Menschen und gebe jedem einzeln die Möglichkeit, Gottes Kind zu werden und "selbst zu verstehen, zu fragen und zu begreifen."

Die Kernbotschaft des Reformationsjubiläums "gegen jedwede Ausprägung von Fundamentalismus" sei: "Selbst denken! Im Gewissen niemandem untertan: frei von Dogmatik, religiösen Vorgaben, Glaubensinstanzen. Und doch jedermann untertan, verantwortlich für die Gemeinschaft, gerufen zum Engagement für die ganze Schöpfung Gottes." Dies, so Käßmann weiter, sei einer der wichtigsten Beiträge der Reformation, nämlich dass es ihr um "gebildeten Glauben" gehe, einen Glauben, der verstehen wolle und nachfragen dürfe - "auch beim Buch des christlichen Glaubens, der Bibel." Dass Glauben nicht als Moralinstanz, sondern als "radikale Freiheit zur Einmischung in die Welt" verstanden werden könne, bezeichnete Käßmann in ihrer Predigt als eine der zentralen Botschaften für das Reformationsjubiläum 2017

Außerdem würdigte Käßmann die Kraft der Musik. Die Spiritualität der Reformation, so die EKD-Botschafterin, sei von Anfang an im Singen lebendig geworden: "Luthers Lieder haben das reformatorische Gedankengut wohl weiter verbreitet als manche seiner Schriften, Paul Gerhardt hat reformatorische Theologie mit allen Sinnen singen lassen, Bach wurde für viele Menschen zum fünften Evangelisten."

Von wesentlicher, tiefer Bedeutung aber, so Käßmann, sei die zentrale Formel des Johannesevangeliums "Das Wort ward Fleisch." Christinnen und Christen glaubten, dass jede Ideologie mit ihren Worten, oberflächlichen Betroffenheitsbekundungen und fundamentalistischen Irreführungen weniger Kraft habe als Jesus Christus, das Wort, das Fleisch wurde "und das wir sterbend am Kreuz erkennen." Käßmann: "Da ist Gott. Da leidet Gott mit. Mit dir. Mit mir. Mit den Gedemütigten und Verletzten, den Leidenden und den Sterbenden der Menschheit. Und weil sie dieses Wort erleben, erfahren, erkennen, werden Christinnen und Christen immer wieder aufstehen gegen Demütigung, Zerstörung, Worte, die Menschen degradieren. In Jesu Namen."

Im Gottesdienst kamen in mehreren Teilen sämtliche zwölf Strophen des berühmten Chorals "Befiehl Du Deine Wege" von Paul Gerhardt zur Aufführung. Im Wechsel sangen die versammelte Gemeinde, die Sängerin Sarah Kaiser mit ihrer Band sowie die Kantorei der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche unter Leitung von Kirchenmusikdirektor Helmut Hoeft. Die Anfangsworte der zwölf Strophen des berühmten Chorals ergeben den Bibelvers: "Befiehl dem Herren Deine Wege, und hoffe auf ihn, er wird's wohl machen" (Psalm 37,5).

   Berlin/Hannover, 27. April 2012 Pressestelle der EKD Reinhard 
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Achtung! Es gilt das gesprochene Wort

Präses Nikolaus Schneider Vorsitzender des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD)

Einführungsansprache

für die Botschafterin des Rates der EKD für das Reformationsjubiläum 2017 am 27. April 2012 in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche zu Berlin

Mit diesem Gottesdienst wird Frau Prof. Dr. Dr. h.c. Margot Käßmann in ihren Dienst als Botschafterin des Rates der EKD für das Reformationsjubiläum 2017 eingeführt.

Die Amtsbezeichnung "Botschafterin" findet man in den Stellenplänen der ev. Kirche normalerweise nicht. Bekannt ist sie aus dem staatlichen diplomatischen Dienst. "Ein Botschafter" - so heißt es z.B. in Wikipedia - "...ist der beamtete oberste Beauftragte eines Staates in einem anderen Land oder bei einer internationalen Organisation. ... Seine Aufgabe ...ist die Vertretung der Interessen seines Landes gegenüber dem Gastland, was enge Beziehungen zu Regierung, Opposition und gesellschaftlichen Organisationen im Gastland erfordert.. (...) Ein Botschafter befindet sich in einem teilweise schwierigen Spagat, da er einerseits für die Politik in seinem Heimatstaat mit verantwortlich gemacht wird (obwohl er darauf aus dem Ausland kaum Einfluss hat), andererseits soll er gute Beziehungen pflegen. Ausländische Botschafter werden üblicherweise mit "Exzellenz" angeredet. Ein Apostolischer Nuntius, ein päpstlicher Gesandter im Botschafterrang, wird traditionell mit "Hochwürdigste Exzellenz" angeredet."

Wir Protestanten haben Mühe mit Titeln. So vermute ich, dass sich auch bei Margot Käßmann Anreden wie "Hochwürdigste Exzellenz der Reformation" nicht recht durchsetzen werden. Und das hat einen ebenso einfachen wie guten Grund.

"So sind wir nun Botschafter an Christi statt, denn Gott ermahnt durch uns; so bitten wir nun an Christi statt: Lasst euch versöhnen mit Gott!" schreibt der Apostel Paulus im zweiten Brief an die Korinther. Das Wort Botschafter steht bei Paulus im Plural. Wenn überhaupt, dann sind alle Christen und alle Christinnen Hochwürdigste Exzellenzen. Denn sie alle sind beauftragt, diese eine, wunderbare Botschaft von der Versöhnung des Menschen mit Gott weiter zu sagen. Die Botschaft von der Versöhnung war und ist das Entscheidende. Versöhnung mit Gott heißt: durch Christus ist der Himmel für alle Menschen geöffnet. Himmel und Erde begegneten sich in Jesus Christus. Durch Christus versöhnt ist es möglich, die Gegenwart Gottes auf Erden zu erfahren, als Menschen neu zu werden und anderen Menschen diese gute Botschaft weiter zu geben.

Paulus und später auch die Reformatoren wussten zu unterscheiden zwischen der Botschaft und den mit der Verbreitung der Botschaft betrauten Menschen. Gottes Wort ist wirkmächtig aus sich selbst heraus. Aber es beruft und befähigt Menschen dazu, Zeugnis zu geben von seinem lebendigen Wort. In unserer Bindung an Jesus Christus sind wir alle Botschafter und Botschafterinnen an Christi statt und bitten: Lasst Euch versöhnen mit Gott, auch jetzt, auch heute, auch im 21. Jahrhundert.

Liebe Margot, bei Deiner Beauftragung zur Botschafterin des Rates der EKD für das Reformationsjubiläum geht es um einen ganz konkreten Botschaftsdienst. Er soll nicht nur an ein wichtiges geschichtliches Ereignis erinnern, sondern auch die inhaltlichen Anliegen der Reformation 'allem Volk' vergegenwärtigen.

Mit Deinem Auftrag sollst Du die ganze Reformation in den Blick nehmen: die lutherische ebenso so wie die oberdeutsche und die Genfer Reformation. Von Wittenberg ausgehend wirkte die Reformation zunächst in ganz Europa, schließlich auch weltweit. Vieles, was Menschen heute selbstverständlich ist, gründet in der Reformation, zum Beispiel manche Weichenstellungen, die für unseren demokratischen Staat konstitutiv sind und viele Impulse, die unser staatliches Bildungswesen voran gebracht haben.

Aber auch die Schattenseiten dürfen wir nicht verschweigen: In den Glaubenskriegen des 16. Jahrhundert hat Europa schwer geblutet. Und man wird nicht sagen können, dass die Reformation zu einer Toleranz aufrief, für die wir uns heute einsetzen.

Als Botschafterin des Rates warten vielfältige Aufgaben auf Dich: Gottesdienste und Predigten, Vorträge und Reden zu den Themen der Lutherdekade und dem Reformationsjubiläum 2017. Im In- und Ausland wirst Du Kirchen und Gemeinden besuchen und Einladungen zur Teilnahme und Mitgestaltung des Reformationsjubiläums aussprechen.

Wie hieß es noch bei Wikipedia über den Dienst eines Botschafters: "Ein Botschafter befindet sich in einem teilweise schwierigen Spagat, da er einerseits für die Politik in seinem ... Heimatstaat mit verantwortlich gemacht wird, andererseits soll er gute Beziehungen (im Ausland) pflegen."

Diesem Spagat musst Du Dich stellen. Vor allem aber wirst Du ihn in wesentlichen Teilen mit gestalten. Der Rat freut sich auf die Zusammenarbeit mit Dir.

Gott segne Dich und Deinen neuen Dienst. Amen

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Achtung: Es gilt das gesprochene Wort! 

Prof. Dr. Dr. h.c. Margot Käßmann

Botschafterin des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) für das Reformationsjubiläum 2017 Predigt anlässlich ihrer Einführung am 27. April 2012 in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche zu Berlin

Liebe Gemeinde,

Ausländerfrei, ethnische Säuberung, Überfremdung, Peanuts, Rentnerschwemme, Wohlstandsmüll, sozialverträgliches Frühableben, Kollateralschaden. Schon vergessen? Unworte der ersten Jahre. 1991 begann die Gesellschaft für die deutsche Sprache "Unwörter des Jahres" zu prämieren. Wer die Liste der Anfangsjahre anschaut, dem entstehen durch die Worte Bilder vor Augen. Die Verharmlosung der Toten durch Nato-Bombardement im Kosovokrieg, die zynische Umschreibung arbeitsunfähiger Menschen, abschätziger Bankerjargon. Worte, die zeigen, welche Macht Sprache hat. Und Worte, die für oft menschenverachtende Haltung stehen. Bis hin zum aktuellsten Unwort, dem des Jahres 2011: "Döner-Morde"....

"Das Wort" aber ist Markenzeichen des Protestantismus. Kein Wunder also, dass alle Projekte zum Reformationsjubiläum künftig unter der Dachmarke "Am Anfang war das Wort" stehen sollen. Wobei, mit Verlaub, "Dachmarkenkampagne" auch nicht gerade eine Schönheit unter den Wortschöpfungen ist... Wortgewalt, Wortmacht, Kirche des Wortes - das verbinden viele mit Reformation, mit Martin Luther als dem Reformator und Kirchen der Reformation. Ich werde zunächst auf die biblischen Ursprünge schauen, dann auf die reformatorische Wirkung und schließlich auf die Weite des Wortbegriffes.

1. Im Anfang

Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. Dasselbe war im Anfang bei Gott. Alle Dinge sind durch dasselbe gemacht, und ohne dasselbe ist nichts gemacht, was gemacht ist. In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen. (Joh 1, 1-4) So beginnt das Johannesevangelium. Keine Weihnachtsgeschichte mit Krippe und Stall wie bei Lukas, keine Magier aus dem Fernen Osten auf der Suche nach einem Königssohn wie bei Matthäus. Schlicht das Wort. Und das war IM Anfang oder in anderer Übersetzung AM Anfang. Mit eben diesen beiden Worten beginnt auch der hebräische Teil der Bibel, ja die Bibel selbst: "Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde". Aus dem Chaos entstand die Ordnung von Licht und Finsternis, Land und Wasser. Das Wort hieß: "Es werde!" Und es ward! Gottes Wort schafft Leben, Kreativität, Gestaltungsmöglichkeiten. Mit diesem Wort am Anfang der Schöpfung entsteht Lebensmöglichkeit, Lebensraum für Pflanze, Tier und Mensch.

Ganz deutlich setzt der Evangelist Johannes bei der Schöpfung an und sieht im Prolog zu seinem Evangelium Jesus, den Menschensohn, als die Neuschöpfung Gottes. Anders als die anderen Evangelisten setzt Johannes keinen Anfangspunkt der Geschichte Jesu, kein Stammbaum wird vorgegeben, keine Geburt erzählt. Der Ursprung liegt bei Gott selbst. "Gott, der in Jesus zu Wort kommt, ist kein anderer als der, den der Anfang der jüdischen Bibel als Schöpfer von Himmel und Erde bezeugt." In den Worten Jesu, seinem Leben und Sterben können wir Gott selbst erahnen, erfahren, Gott begegnen. Leben und Licht kommt so in die Welt, auch wenn das bis heute schwer zu begreifen ist. Werden Christinnen und Christen gefragt, wie Gott ist, so werden sie ihn mit Menschen jüdischen Glaubens als Schöpfer preisen können, die Vätergeschichten im hebräischen Teil der Bibel einbeziehen. Werden sie gefragt, wer Gott ist, aber vor allem auf Jesus selbst zurückgreifen. Er hat Gott beschrieben als liebenden Vater, sorgenden Hirten, gütigen Weingärtner. Als den, mit dem Jesus gerungen hat, als der Tod nahe war, dem er sich dann aber doch anvertraut hat in seinem Sterben wie in seinem Leben und darüber hinaus. Kein anderer Gott als der des Judentums! Jesus der Jude hat ihn mit "Abba", Vater angesprochen. Und doch ein besonderes Gottesbild von Zärtlichkeit und Kraft, Liebe und Sanftmut.

Jesus als Wort Gottes zu bezeichnen mag für uns fremd klingen. Für die Zeit des Evangelisten Johannes klang solche Rede vertraut aus der Philosophie, besonders aber aus der Weisheitsliteratur. Dort wird etwa die sophia, die Weisheit, als Schöpfungsmittlerin gesehen. Entscheidend aber dürfte sein, dass der Gott, von dem die Bibel spricht, kein abwesender, schweigender, unergründlicher Weltenherrscher ist, auch keine diffuse Seinskraft, sondern Gott spricht; tut sich kund. Nicht erst in Jesus, sondern schon in der ersten Schöpfung ist es Gottes Wort, das Leben schafft. Oder wie es Psalm 50 sagt: "Unser Gott kommt und schweigt nicht."

2. Reformation

Der Johannesprolog führt aus: Das war das wahre Licht, das alle Menschen erleuchtet, die in diese Welt kommen. Er war in der Welt, und die Welt ist durch ihn gemacht; aber die Welt erkannte ihn nicht. Er kam in sein Eigentum; und die Seinen nahmen ihn nicht auf. Wie viele ihn aber aufnahmen, denen gab er Macht, Gottes Kinder zu werden, denen, die an seinen Namen glauben... (Joh 1, 9-12)

Jesus Christus als Licht für alle, nicht nur für viele. Alle, die an ihn glauben, können Gottes Kinder werden. Und das ist eben kein Weg der Entmündigung, sondern ein Weg der Ermutigung. Kein Opium zur Betäubung der Angst vor dem Dasein oder vor dem Tod, sondern Kraft, mich dem Leben zu stellen, Widerstand zu leisten, Leid zu ertragen, Mächte und Gewalten zu hinterfragen! Das Licht erleuchtet alle Menschen, es gibt jedem einzeln die Möglichkeit, Gottes Kind zu werden, selbst zu verstehen, zu fragen und zu begreifen. Das sind zentrale Anliegen der Reformation! Mich fasziniert immer wieder, wie wichtig Bildung für alle Reformatoren war. "Das Wort" - das steht ja auch für Denken, Reflektieren, Nachdenken, Verstehen können, Fragen dürfen. Wie oft wird bis heute Religion eine Haltung unterstellt nach dem Motto: Nicht fragen, glauben! Fundamentalismus, ob jüdischer, christlicher, islamischer oder hinduistischer Prägung mag Bildung und Aufklärung nicht. Gegen jedwede Ausprägung von Fundamentalismus ist eine Kernbotschaft zum Reformationsjubiläum: selbst denken! Im Gewissen niemandem untertan: frei von Dogmatik, religiösen Vorgaben, Glaubensinstanzen. Und doch jedermann untertan, verantwortlich für die Gemeinschaft, gerufen zum Engagement für die ganze Schöpfung Gottes. Vielleicht ist einer der wichtigsten Beiträge der Reformation, dass es ihr um gebildeten Glauben geht, einen Glauben, der verstehen will, nachfragen darf, auch beim Buch des christlichen Glaubens, der Bibel.

Vor einigen Jahren habe ich dem Chefredakteur von "Runners World" ein Interview gegeben. Interessanterweise wurde in unserem Gespräch für uns beide offensichtlich, dass evangelischer Glaube und Sport zueinander passen. Laufen als spirituelle Erfahrung. Körperwahrnehmung als Teil der Schöpfung. Jahre später hat Frank Hofmann ein Buch geschrieben: "Marathon zu Gott" . Er beschreibt seinen eigenen Weg zurück zum Glauben als lange Auseinandersetzung, als Herausforderung, bei der er den Verstand, der ihn einst vom Glauben wegführte, "wieder in die umgekehrte Richtung (zu) bewegen" musste. Das finde ich großartig: reformatorischer Glaube mit der Prämisse des Wortes zeigt, dass wir im säkularen Zeitalter den Verstand nicht aussperren müssen, sondern ihn nutzen dürfen, um glauben zu können. Wenn ich an das Jubiläum 2017 denke, ist das für mich eine der zentralen Botschaften. Luther weniger als Tröster der Deutschen oder Nationalheld wie bei früheren Gedenkfeiern, sondern Luther und die anderen um ihn herum, als Denkende, die Glauben und Verstand beieinander halten und auf genau diese Weise jedem Fundamentalismus trotzen sei er religiöser oder ideologischer Natur. Vielleicht ist das für 2017 die zentrale Botschaft: Glauben nicht als Moralinstanz, sondern als radikale Freiheit zur Einmischung in die Welt.

Luther regte in seinem Brief an den christlichen Adel deutscher Nation die Volksschule für alle an. Melanchthon war Lehrer aus Leidenschaft, ja wird auch aufgrund seiner Bemühungen um eine Universitätsreform als "Lehrer der Deutschen" bezeichnet. Martin Bucer wird von Lutheranern wie von Reformierten als Kirchenlehrer angesehen. Ulrich Zwingli lernte griechisch, um das Neue Testament im von Erasmus von Rotterdam editierten Urtext lesen zu können. Er selbst besaß die für damals sehr große Zahl von 100 Büchern und gründete in seiner Glarner Pfarrei 1510 eine Lateinschule. Und dann das Genfer Kolleg, von Johannes Calvin gegründet, das die reformierte Bildungsbewegung in viele Regionen Europas brachte!

Das Wort, Worte stehen also in der Tat im Zentrum reformatorischen Denkens. Selbst lesen können, die Heilige Schrift studieren in der eigenen Sprache und in der Originalsprache der Verfasser. Verstehen, Nachdenken, sich eine Meinung bilden - das war revolutionär. Und vielleicht müssen wir sagen, das ist 25 Jahre nach der Einführung des Privatfernsehens heute auch wieder revolutionär! Wer liest denn noch, geschweige denn, die Bibel.... Gut, manchen erscheint das Christentum in seiner reformatorischen Variante dadurch anstrengend, zumal in einer Medienwelt schwer vermittelbar. Wo kommen wir denn hin, wenn jeder nachfragen und sich eine eigene Meinung bilden kann? Da ist die glasklare Meldung glatt dahin. In Zeiten von Twitter und Blog ist auch nicht kontrollierbar, was gedacht und gefolgert wird, geschweige denn, wer hinter den Kommentaren steckt. Aber diesen Preis müssen die Kirchen der Reformation zahlen. Vielfalt und Freiheit sind ihre Grundlagen. Sie haben längst gezeigt, dass das Wort eben nicht einengt, sondern öffnet, hin zum eigenen Fragen, Denken, Interpretieren, Stellung nehmen. Nicht anonym, ohne zum eigenen Wort zu stehen allerdings, sondern offen, frei und mit Namen, selbstbewusst. Und: Eigenes Denken sollte es in der Tat aber schon sein. Oh ja, das kann am Ende möglicherweise auch politisch sein, provokativ, einseitig vielleicht sogar. Und damit sehr evangelisch....

3. Fleisch

Schließlich fährt die Einleitung des Johannesevangeliums fort: Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit. (Joh 1, 14) Mir war das immer wichtig: Das Wort bleibt nicht abgehoben, intellektuell, kopflastig, sondern es ist lebendig, alltagsnah, lässt Emotionen Raum. Es gibt ja aktuell ganze Bücher, die der Intellektualität des Protestantismus nachtrauern. Sie scheint ihnen vermeintlich verloren gegangen. Und sie meinen: das kommt davon, wenn Frauen ordiniert werden.... Nach allem, was wir wissen, war der Evangelist Johannes allerdings ein Mann. Und ganz offensichtlich war ihm klar: Das Wort wird lebendig, mitten unter uns! Da ist ein leibhaftiger Mensch, Jesus wurde geboren in diesem Vorgang, der nun wahrhaftig nicht intellektualisierbar ist. Er fühlte, wurde als Kind gewickelt, hat laufen gelernt, gelesen, geweint, gelacht, geliebt. Wir können nicht nur hören, sondern dürfen auch sehen, schmecken, tasten, fühlen....

Die Reformation ist beileibe nicht so leibfeindlich, wie viele sie gern sehen. Schauen wir uns nur das Cranachporträt Luthers an - da steht kein Asket vor uns! Gern hat er gegessen und getrunken, seine Tischreden werden bis heute mit Vergnügen gelesen. Und er hat mit seiner Katharina Sexualität und Familie aus dem Geruch des Minderwertigen gegenüber einem Leben im Zölibat befreit. Derb konnte er sein in seinen Sprüchen, aber lebensnah allemal! Allzu oft hat ein allzu strenger Protestantismus das vergessen.

Lebendig wurde von Anfang an und bis heute die Spiritualität, die Sinnlichkeit des Protestantismus im Singen. Luthers Lieder haben das reformatorische Gedankengut wohl weiter verbreitet als manche seiner Schriften, Paul Gerhardt hat reformatorische Theologie mit allen Sinnen singen lassen, Bach wurde für viele Menschen zum fünften Evangelisten. Mir wurde das einmal sehr bewusst, als im Jahr 2000 die EXPO in Hannover stattfand. Es war ein enttäuschend schleppender Start und Birgit Breuel, Generalkommissarin der Weltausstellung, rief mich an, um zu fragen, ob wir nicht als hannoversche Landeskirche am Pfingstsonntag die EXPO-Plaza beleben könnten. Es war in der Tat kein Problem: evangelische Chöre, evangelische Posaunenchöre, es gibt sie allerorten! Hochengagierte Evangelische, die Kirchengemeinden und Kirchentage prägen, können in kürzester Zeit einen solchen Platz mit Leben und Lebenslust füllen. Dazu noch eine ökumenische Dimension durch römisch-katholische Beteiligung und den anglikanische Erzbischof Tutu als Prediger: Und das Leben war das Licht der Menschen. An diesem Tag wurde Spiritualität in der Tat vom abstrakten Begriff zur lebendigen Erfahrung mitten auf einem Platz, der keinerlei kirchliche Ausstrahlung hatte.

Der Kern der Leiblichkeit des Protestantismus aber ist noch ein anderer: die Kreuzestheologie! Sie stellt sich radikal, so der Theologe Michael Welker in seinem jüngsten Buch zur Christologie, "gegen Formen von Religiosität, die von Gottes Auseinandersetzung mit dem Leiden, der Not und der vielfältigen Selbstgefährdung der Welt und der Menschen absehen." Die Kreuzestheologie ist wohl einer der Gründe, warum der Protestantismus als so lebensunlustig angesehen wird. Wer macht sich schon gern Gedanken über Leiden, Sterben und Tod, gar in einer Spaßgesellschaft, der von Soziologen eine schleichende Karnevalisierung bescheinigt wird? Gerade diese Theologie aber ist lebenstauglich. Sie muss Leid nicht aussparen, sie kann stille Zeiten ertragen, sie hat die Kraft, nicht "wird schon" zu sagen, sondern hinzusehen und mit auszuhalten, wo Verzweiflung, Kummer gar Tod das Leben zeichnen.

Theologie braucht Sinnlichkeit, Worte, die Fleisch werden in Tönen, Berührungen, Farben und Bildern. Ein solches Bild ist für mich das Bild "Tante Marianne", das in der Richter-Ausstellung in der Neuen Nationalgalerie hier in Berlin zu sehen ist. Am Anfang hat mich das Bild schlicht fasziniert, eine so zarte Pose eines jungen Mädchens und eines Kleinkindes, verschwommen wirkend wie viele Richter Bilder. Aber dann habe ich Jürgen Schreibers Buch "Ein Maler aus Deutschland" gelesen. Richter malte seine Tante Marianne, die jüngste Schwester seiner Mutter, ohne zu wissen, dass sie für das Grauen der Euthanasieprogramme der Nazizeit steht. Bei ihr, dieser hübschen, aufgeschlossenen, offensichtlich intelligenten jungen Frau wurde mit 20 Schizophrenie diagnostiziert. Es folgt eine Einweisung, ein furchtbarer Leidensweg durch verschiedene Einrichtungen, Zwangssterilisation, am Ende Vergasung....

Marianne Schönfelder, die in Dresden die Höhere Mädchenschule besuchte, war - wie so manche jüngste Tochter - ganz offensichtlich Augapfel ihrer Eltern. Sie wird Opfer einer Ideologie, die eine Lehre von "Deutschem Blut und Kulturerbe" predigt . "Unwertes Leben", "unnütze Esser", "Kostgänger" im Herrenvolk. Mariannes Bild steht für eine Zerstörung die Worte kaum mitteilen können. Gerhard Richter hat erst spät begriffen, dass sein Schwiegervater, SS-Obersturmbannführer Heinrich Eufinger, den er mehrfach gemalt hat, Zwangssterilisierungen verantwortet und zu Hunderten selbst durchgeführt hat. Mit 73 Jahren begreift er, was er da mit 33 gemalt hat. Ein Bild, das nun so viele Worte in sich vereinigt. Ein Bild, das erzählt. Anrührend. Ein Bild, das auch kritisch eine unkritische Lutherrezeption herausfordert, die seine unsäglichen und menschenverachtenden Äußerungen über Juden in eine Lethargie der Anpassung einschläferte, wo Widerstand gefordert war.

Ich kann Ihnen allen, die Sie heute zu Besuch in Berlin sind oder hier wohnen einen Besuch der Ausstellung nur empfehlen. Das Hin-Sehen, das Richters Bilder wie viele andere Bilder großer Künstler ermöglichen, macht immer wieder die Fleischwerdung von Wort erfahrbar. Ganz besonders bei "Tante Marianne". So kann ich nachvollziehen, dass in Luthers Zählung der Zehn Gebote das Bilderverbot nicht vorkommt. Zu komplex ist der Gedanke des "Nicht ein Bildnis machen" als dass er die reale Verachtung oder gar Zerstörung von Bildern mit sich bringen dürfte!

Das Wort ward Fleisch. Nach all den Worten. Das Wort ward Fleisch und wir können solche Bilder ertragen, weil wir als Christinnen und Christen glauben, dass die Ideologie mit ihren Worten, die oberflächlichen Betroffenheitsbekundungen, die Irreführungen des Fundamentalismus weniger Kraft haben als das Wort, das Fleisch wurde und das wir sterbend am Kreuz erkennen. Da ist Gott. Da leidet Gott mit. Mit dir. Mit mir. Mit den Gedemütigten und Verletzten, den Leidenden und den Sterbenden der Menschheit.

Und weil sie dieses Wort erleben, erfahren, erkennen, werden Christinnen und Christen immer wieder aufstehen gegen Demütigung, Zerstörung, Worte, die Menschen degradieren. In Jesu Namen. Amen.

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Sperrfrist: Freitag, 27. April 2012, 14.30 Uhr Achtung! Es gilt das gesprochene Wort

Katrin Göring-Eckardt Präses der Synode

der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD)

Grußwort auf dem Empfang anlässlich der Einführung für die Botschafterin des Rates der EKD für das Reformationsjubiläum 2017 am 27. April 2012 in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche zu Berlin

Sehr geehrte Damen und Herren,

gerade haben wir in den Dienst eingeführt: "Die Botschafterin des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland für das Reformationsjubiläum 2017". Kann man sich einen schöneren Titel vorstellen? Natürlich ist er zu lang und zu sperrig; aber er ist in der Sache richtig. Dagegen zeigt die umgangssprachliche Rede von der Luther-Botschafterin in die falsche Richtung: Denn weder ist die Luther-Botschafterin beauftragt, Künderin Martin Luthers zu sein, noch wollte der eine Botschafterin für sich selbst haben - vielleicht jenseits von seiner Käthe. Und womöglich hätte Martin Luther sich auch nicht träumen lassen, dass einst ein Weib Reformationsbotschafterin würde, wo er doch Frauen eher nachgeordnet wichtig fand. Doch es steht der evangelischen Kirche des 21. Jahrhunderts gut zu Gesicht, dass ihre "beauftragteste" Künderin Rock trägt und Absatz.

Luther-Botschafterin also trifft es nicht. Beim Reformationsjubiläum soll es ja gerade nicht zuerst um die Person gehen, sondern um das Evangelium. Es sollen nicht, wie vor hundert Jahren noch, Luthers heldenhafte Taten bejubelt werden. Sondern um die von Martin Luther wiederentdeckte Botschaft von der Barmherzigkeit Gottes soll es gehen, auch 500 Jahre nachdem die Welt diese Botschaft durch ihn gehört hat. Evangeliums-Botschafterin also müsste es heißen, doch das sind alle Christinnen und Christen; also am besten: Reformations-Botschafterin.

Es ist die Botschaft der Reformation, die von Wittenberg aus in ganz Europa gehört wurde. Es ist die Botschaft von Freiheit und Gnade, die die Reformatoren - und ja auch Reformatorinnen - von allerhand Verstellungen befreit ans Licht gebracht haben. Und es ist die Schlüsselfrage für alle, die sich auf das Reformationsjubiläum 2017 vorbreiten, wie diese Botschaft des Evangelium heute verkündet werden kann, so dass Menschen begreifen: das hat mit mir zu tun. Um vielleicht ganz neu diese Urerfahrung machen können, frei zu sein, geliebt und eben: gerechtfertigt allein aus Gnade.

Dazu braucht man heute einen Botschafts-Botschafter, eine Öffentlichkeits-Arbeiterin, die klug reden kann von Gott, die mit den Medien umzugehen weiß, die Menschen begeistert. Nun ist eine Reformations-Botschafterin beauftragt, die Martin Luther ein kritisch zu würdigendes Vorbild nennt. Viel Zustimmung erhält der klare Kopf und kräftige Polterer aus Wittenberg, aber auch Kritik und Einwände, Auseinandersetzung und Distanzierung. Luther ist theologisch kein sakrosankter Heiliger, wir sollen auch ihn und seine Lehre prüfen an dem Kriterium, dass alle Reformatoren uns einprägten: der Heiligen Schrift.

Reformations-Botschafterin ist mit Margot Käßmann eine Frau, die das Evangelium in eine Sprache übersetzt, die heute verstanden und gerne gelesen wird. Es heißt von ihr, sie habe die Religion zurück an die Küchentische gebracht. Es ist eine, die gehört wird und gehört werden will, die dem "Volk aufs Maul" schaut, die den Ton kennt, der nachhallt und den Nerv der Zeit trifft. Eine, für die das Evangelium politisch ist und die Stimme der Kirche in die Gesellschaft hinein laut sein soll - gleichwohl es dabei nicht immer ausreicht, dem Volk aufs Maul zu schauen.

Margot Käßmann ist eine Frau, die mit solcher Überzeugung von Gottes heilbringender Kraft zu erzählen vermag, dass Menschen gestärkt weitergehen können und Zweifelnde klarer sehen, dass Brüche im Leben nicht Scheitern sein müssen, sondern dass man neu anfangen kann - im Vertrauen darauf, dass Gott sich immer wieder finden lässt, mitten in gottlosen Zeiten.

Als Botschafterin nun ist ihr die nicht unbedingt leichte Aufgabe übertragen, die Anliegen der Reformation ins öffentliche Bewusstsein, in die Köpfe und Herzen der Menschen zu bringen. Sie soll erzählen von den Aufbrüchen des Anfangs, von diesem unfassbaren Geschenk der Freiheit und davon, keine Angst mehr haben zu müssen. Sie soll unsere Verfangenheiten heute benennen, aus denen wir uns so sehnen auszubrechen - was wir können, wenn wir uns von der befreienden Botschaft des Evangeliums berühren lassen. Ja, wir wünschen uns, dass die Menschen wieder neugierig werden auf Gott.

Mit Luther, natürlich, aber ohne beim Luther-Zitieren stehen zu bleiben. Denn die Reformation hat eine lange und breite Wirkungsgeschichte bis heute: Viele Selbstverständlichkeiten unserer heutigen Kultur wurzeln in der Reformation: von der berühmten "Mündigkeit eines Christenmenschen", die sich in demokratischen Grundspielregeln heute wiederfindet, bis zum reformatorischen Freiheitsbegriff, der unsere gemeinsame Geschichte in Ost und West im letzten Jahrhundert prägte. Vom Bildungsaufbruch der Reformation, der eine - heute würde man sagen - grundsätzliche Beteiligungsgerechtigkeit eröffnete, bis hin zur nur mühsam akzeptierten Vielfalt von Religionen in einem Land. Die Reformation hat nicht nur Prägekraft, sondern auch viel Unabgegoltenes, das segensreich ist auch für das 21. Jahrhundert.

Dies braucht und verdient viele Botschafter und Botschafterinnen, und eine ganz besonders: Nämlich dich, liebe Margot. Dir wünsche ich, dass es dir gelingt umzugehen mit den Erwartungen und Ansprüchen, die nun von verschiedenen Seiten an dich herangetragen werden. Vielleicht mit dem Luthersatz im Rücken: "Die Worte Christi sind immer treffend. Haben Hände und Füße. Sie gehen über alle Weisheit, Ratschläge und List der Weisen hinaus." Ich hoffe, dass es dir gelingt, vom Evangelium zu erzählen, gewinnend und fröhlich. Und dass du von der Botschaft der Reformation so sprechen kannst, dass die Menschen "mit allen Heiligen begreifen, welches die Breite und die Länge und die Höhe und die Tiefe ist", die die Reformation im Evangelium freigelegt hat (vgl. Eph 3, 18) Liebe Margot, wir werden in den kommenden Jahren viel von dir hören und noch mehr lesen - und ich freue mich darauf. Alles Gute und Gottes Segen.

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Evangelische Kirche in Deutschland
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