Pro Generika e.V.

ARD-Themenabend zu Arzneimittelsicherheit vom 17. Mai 2017 im Faktencheck

Berlin (ots) - Gestern Abend wurden der Spielfilm und Dokumentarfilm des Münchner Familienunternehmens diwa in der ARD ausgestrahlt. Pro Generika hat die in dem Kontext vorgetragenen Argumente einem Faktencheck unterzogen.

Behauptung: Der ARD-Themenabend deckt die Probleme erstmals auf.

Er macht sie zumindest einem breiteren Publikum bekannt. Wir als Verband haben dagegen schon vor Jahren auf die Folgen der Produktionsverlagerungen aufmerksam gemacht, die im Wesentlichen aufgrund des Kostendrucks auf Generika auch in Deutschland stattgefunden haben. Zudem haben wir im Februar 2017 eine vielbeachtete Pressekonferenz(1) durchgeführt, in der wir als erster überhaupt auf die Gefahr der Abhängigkeit bei der Antibiotikaproduktion von China aufmerksam gemacht haben.

Wir wollen mit Gesundheitspolitik, Krankenkassen und Krankenhäusern darüber reden, wie wir auch künftig Versorgungssicherheit gewährleisten. Wir schlagen vor, dass nicht länger der billigste Preis das einzige Zuschlagskriterium in den EU-weiten Ausschreibungen der Krankenkassen ist. Umwelt- und soziale Aspekte könnten die Kassen nach heutigem Recht bereits berücksichtigen.

Behauptung: Gäbe es mehr Transparenz über die Herkunft der Arzneimittel, könnten Patienten selbst entscheiden, welches Arzneimittel sie auswählen.

Falsch. Generika haben in Deutschland einen Versorgungsanteil von 77 %, die allermeisten davon sind unter Rabattvertrag. Das bedeutet, dass im Wesentlichen die Krankenkasse entscheidet, welches Generikum welchen Herstellers Patienten erhalten. Denn sie wählt oftmals nur einen Hersteller aus, der dann die gesamte Versorgung ihrer Versicherten sicherstellen muss. Wir engagieren uns seit langem dafür, dass auch in Rabattverträgen mehrere Hersteller an der Versorgung beteiligt werden.

Behauptung: Es gibt keine Transparenz über die Herkunft von Arzneimitteln.

Falsch. In jeder Arzneimittelpackung ist der Name des Herstellers vermerkt. Dieser haftet für die Wirksamkeit, Sicherheit und die Qualität von Arzneimitteln in Deutschland. Darüber hinaus stellen Unternehmen lückenlose Transparenz gegenüber den Zulassungsbehörden und den Krankenkassen her - und zwar über ihre gesamten Zulieferer und selbstverständlich auch über die Wirkstofflieferanten.

Behauptung: Profitgier hat dazu geführt, dass viele Arzneiwirkstoffe aus Indien und China kommen.

Falsch. Der wesentliche Grund für Produktionsverlagerungen bei Generika ist der Kostendruck. Das bestätigt auch der in dem Dokumentarfilm von Familie Harrich interviewte Whistleblower. In Deutschland erstatten Krankenkassen dem Hersteller z. B. gerade einmal 7 Cent für eine durchschnittliche Tagesdosis mit einem Generikum.

Zudem hat die chinesische Regierung z. B. bei Antibiotika seit Jahren strategisch in den Aufbau von Produktionskapazitäten zur Herstellung von Antibiotika investiert. Das Ergebnis: In Deutschland ist eine kostendeckende Herstellung in vielen Fällen nicht mehr möglich. Darüber hinaus findet globale Arbeitsteilung in fast allen Industriezweigen statt - da macht die Herstellung von Medikamenten keine Ausnahme.

Behauptung: Die reguläre Lieferkette von Medikamenten in Deutschland ist nicht sicher.

Falsch. Deutschland hat eine der sichersten Lieferketten der Welt. Im letzten Jahr erreichten deutsche Apotheken 14 Verdachtsfälle - bei insgesamt rund 1,4 Mrd. Arzneimittelpackungen. Keine davon hat sich als Fälschung herausgestellt. Mit securPharm(2) machen wir jetzt mit enormen Aufwand und Millioneninvestitionen diese sicheren Vertriebswege noch ein Stück sicherer.

Behauptung: 1 % der Medikamente in deutschen Apotheken ist gefälscht.

Falsch. Die Zahl "bis zu einem Prozent" ist eine Schätzung der WHO für Industriestaaten generell, die die WHO allerdings selbst nicht mehr aufrechterhält, weil sie nicht belegt werden konnte.

Behauptung: Pharmaunternehmen haben keine Kontrolle über ihre Zulieferer und Auftragsproduzenten.

Falsch. Die Produktion kaum eines Gutes ist so klar und detailliert geregelt und wird zudem so intensiv von staatlichen Behörden überwacht wie die von Medikamenten. Nicht nur der Hersteller kontrolliert die Zulieferer, sondern auch staatliche Behörden. Nur Medikamente, die alle Sicherheitschecks bestehen, werden an den Großhandel bzw. die Apotheken ausgeliefert.(3)

(1) http://ots.de/N9Cli  
(2) http://www.securpharm.de
(3) Siehe auch: http://ots.de/iMJlm 

Pressekontakt:

Bork Bretthauer, Geschäftsführer, Tel.: (030) 81 61 60 9-0 
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