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Berliner Morgenpost: Noch einmal bewegt Jackson Millionen

Berlin (ots)

Noch einmal ist Zahltag in Neverland. Am Tode
Michael Jacksons verdienen die Würstchen- und Devotionalienverkäufer 
vor den Toren des künstlichen Paradieses in Santa Barbara; die 
Plattenfirma Sony Music - die zuletzt den Kontakt zu dem schwierigen 
Vertragspartner abgebrochen hatte - macht unverhofft Reibach mit den 
alten CDs (und mit Downloads obendrein), und sogar der im Testament 
nicht berücksichtigte Vater Joseph hofft mit einer flugs gegründeten 
Plattenfirma auf ein fettes Geschäft: "Wir haben viele tolle 
Künstler", versichert der böse alte Marketender.
Der Tragödientod der größten Diva der Welt funktioniert beinahe so, 
als hätte niemand "Krise" gerufen. Der lebende Michael Jackson war 
selbst in den Abschwung geraten; sein letztes Album erschien im Jahr 
2001 und war eine kommerzielle Enttäuschung (eine künstlerische 
sowieso). Immerhin erlebte er noch den Ansturm auf die 700000
Karten für die avisierten Konzerte in London. Doch erst die mehr oder
weniger schöne Leiche erlöst die Musikindustrie nun aus ihrem 
Scheintod: Jackson verkauft auf allen Vertriebswegen, in allen 
Formaten und Konfigurationen - eine von "Bild"-Lesern zu Jackos 
50.Geburtstag zusammengewünschte CD-Compilation führt die 
deutschen Verkaufscharts an, für die schlichte Original-CD von "Bad" 
aus dem Jahr 1987 muss man heute schon mal 150 Euro zahlen. Für die 
malade Musikindustrie müsste es darum gehen, einen, zwei, viele 
Jacksons zu erschaffen. Aber sie hat nur noch Madonna. Und die 
möglichen Nachfolger senden aus ihren Übungskellern direkt ins 
Internet. Noch fangen die Plattenfirmen die Talente ab, wenn sie eine
Million Mal angeklickt wurden. Aber das wird nicht so bleiben. So ist
dieses kitschige Menschheitsdrama auch der letzte Vorhang für die Old
Economy.
Als Eintritt für die Trauerfeier in Los Angeles sollte zunächst ein 
Obolus von 25 Dollar erhoben werden - schließlich wurden 
11000 Tickets einfach verlost. Wiederum wollten etwa 
700000 Menschen dabei sein, so sehr, dass sie auch mit einem 
Platz in der Meute vor der Halle einverstanden waren, wo sie 
allenfalls Jackson-Doubles und Fans wie sich selbst beobachten 
konnten. Es war wie der Blick in einen Spiegel, der sich in einem 
anderen spiegelt: Twitter und YouTube und das gute alte Fernsehen 
ermöglichten in Jetztzeit den Zugang zu einem Medienspektakel ohne 
Beispiel - der Moonwalk übertraf sogar die Mondlandung. 1967 hatten 
die Beatles zur ersten weltweiten Satellitenübertragung noch "All You
Need Is Love" gesungen. Hinter den Kulissen in Los Angeles wurde 
vermutlich über die Verwertungsrechte an der zunächst zollfreien 
Veranstaltung verhandelt - es ist anzunehmen, dass die Familie 
Jackson eine kleine Schutzgebühr erheben wird, wenn auch von dem 
Requiem eine "Special Edition" auf DVD erscheinen soll.
Der tote Jackson sei viel mehr wert als der lebende, frohlockte ein 
naturgemäß hartherziger Geschäftsmann der Plattenfirma am Tag nach 
Jacksons Tod. Das ist natürlich reiner Zynismus - und doch nichts als
die Wahrheit. Michael Jackson hatte daran niemals einen Zweifel.

Pressekontakt:

Berliner Morgenpost

Telefon: 030/2591-73650
bmcvd@axelspringer.de

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