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Berliner Morgenpost: Die Berlinale als Magnet für Publikum und Stars - Kommentar

    Berlin (ots) - Diesmal waren nicht einmal die Rolling Stones nötig. Im vergangenen Jahr musste Festivalchef Dieter Kosslick noch in der Musikbranche wildern, weil er aus der Filmbranche nicht genügend Stars zusammen bekam, um den Roten Teppich zu bevölkern. Damals hieß es einmal mehr, die Vorverlegung der Oscar-Verleihung verhagele die Berlinale, weil die Stars lieber in Hollywood zum Oscarnominierten-Dinner gehen als in das kalte Berlin. Dieses Jahr hat Kosslick die These widerlegt - die Stars kamen üppig, auch in der zweiten Hälfte, in der sonst ein Promischwund zu vermerken ist. Kosslick hat dafür natürlich auch den einen oder anderen Film eingeladen, der sonst wenig festivaltauglich schiene, wie etwa "Pink Panther 2". Aber wir wollen hier gar nicht mäkeln: In diesem Jahr durften nicht nur die Zaungäste am Potsdamer Platz zufrieden sein. Auch das Programm war so gut wie lange nicht mehr. Die Jury, die gestern die Bären verteilte, dürfte es nicht leicht gehabt haben in ihrer Entscheidungsfindung. Auch von Krise, der vielfach beschworenen, war hier weit und breit nichts zu spüren. Die Probleme der Welt, sie spiegelten sich in den Filmen, nicht aber auf der Berlinale. Im Gegensatz etwa zum Sundance Filmfestival, wo kurz vor dem Start ein Hauptsponsor absprang und deutlich weniger Besucher kamen als im Vorjahr. Nicht so auf der Berlinale. Beim Gästecounter gab es keinen Rücklauf zu beobachten. Die Filmmesse brummte wie stets. Und das Publikum strömte mehr denn je. 270000 Tickets wurden in diesem Jahr verkauft, ein neuer Rekord, rund 30000 mehr als im Vorjahr. Ein Großteil davon darf natürlich der Friedrichstadtpalast als neues, riesiges Festivalkino für sich allein verbuchen. Aber diese Zahl zeigt doch, dass das Publikum nach wie vor aufs Kino setzt. Allen Unkenrufen zum Trotz, dass DVDs, Heimbeamer und Downloads das gute, alte Lichtspielhaus bald überflüssig machen. Nein, die Zuschauer wollen den großen Saal, sie suchen das Gemeinschaftserlebnis, das nicht jederzeit Abrufbare. Und sie sind bereit - auch das wieder hübsch zu beobachten -, dafür lange Warteschlangen in Kauf zu nehmen. Während alle anderen großen Festivals auf elitär begrenzte Kreise und Fachbesucher zielen, baut die Berlinale ihr Potenzial als Publikumsfestival von Jahr zu Jahr aus. Die Krake Berlinale dehnt sich dabei immer weiter aus, inzwischen bis ins kleine Kiezkino am Bundesplatz. Man darf spekulieren, wo sie wohl in fünf, acht Jahren sein wird: ob sie dann schon in Köpenick und Spandau angekommen ist. Freilich: In Krisenzeiten geht das Publikum gern ins Kino. Nicht zufällig war die große Zeit des Hollywoodkinos die nach der Großen Depression. Aber auf der Berlinale suchen die Zuschauer nicht nach Exotik und Eskapismus, sie stellen sich den Konflikten der Welt, die die Filme mutig aufgreifen. Inwieweit die Krise sich doch noch auf die Berlinale auswirkt, wird erst jetzt, nach dem Festival, zu beobachten sein. Zwei Hauptsponsoren haben ihren Vertrag bereits verlängert, ein dritter aber wartet noch mit seiner Entscheidung.

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