WVZ Wirtschaftliche Vereinigung Zucker

Staatliche Geschmackserziehung statt Prävention

Bonn (ots) - Deutsche Zuckerwirtschaft warnt vor tiefen Eingriffen in persönliche Entscheidungsfreiheit und lehnt die Reduktionsstrategie von Bundesminister Schmidt ab.

Süßes darf uns künftig nicht mehr schmecken. Bundesernährungsminister Schmidt will Verbrauchern ein neues Geschmacksempfinden anerziehen. Dazu will er ihnen die angeborene Süßpräferenz abgewöhnen. Nachzulesen ist das in dem vom Bundesernährungsministerium vorgelegten Entwurf zur Reduktion von Zucker, Salz und Fetten in Lebensmitteln. Der Kaloriengehalt von Lebensmitteln spielt in dem Papier keine Rolle mehr, die Reduktion einzelner Nährstoffe ist zum Selbstzweck geworden. Das eigentliche Ziel - die Bekämpfung von Übergewicht und seinen Folgekrankheiten - verliert der Entwurf komplett aus den Augen.

"Auf diese Art wird niemand schlanker. Wer gegen Übergewicht etwas erreichen will, kommt nicht daran vorbei, die Kalorien in den Vordergrund zu stellen" fasst Günter Tissen, Hauptgeschäftsführer der Wirtschaftlichen Vereinigung Zucker, die Kritik der Zuckerwirtschaft zusammen.

Schritt für Schritt soll Zucker in Lebensmitteln reduziert und Verbraucher so in ihrem Geschmacksempfinden - so der ausdrückliche Plan - umerzogen werden. Das Ergebnis: kein Zucker, eine staatlich verordnete Gleichmacherei sowie eine ebenso staatlich verordnete Umerziehung in Sachen Geschmacksempfinden. "Geschmack ist aber eine zutiefst persönliche Angelegenheit. Der Staat hat kein Recht, vorzuschreiben, was schmecken darf und was nicht. Außer einer Vereinheitlichung der Geschmäcker wird damit nichts erreicht" erläutert Günter Tissen.

Die Gleichmacherei wird auch bei den Rezepturen vorangetrieben: Zentralistisch und marktfern festgelegte Reduktionsmechanismen ("best in class") führen über kurz oder lang zu Produkten, die sich in Geschmack und Beschaffenheit kaum voneinander unterscheiden. Mit fatalen Folgen für den deutschen Mittelstand, wie in dem Entwurf sogar eingeräumt wird. Offenen Auges wird hier Politik gegen den Mittelstand gemacht.

"Geschmacksveränderung, Gleichmacherei und Reduktion einzelner Nährstoffe - gegen Übergewicht wird all das nicht helfen. Übergewicht hat viele Ursachen - und am Ende läuft es immer auf dasselbe hinaus: Wer mehr Kalorien aufnimmt als verbraucht, nimmt zu. Deshalb müssen wir die Kalorien und die Bedeutung der persönlichen Kalorienbilanz in das Zentrum der Debatte stellen" fasst Tissen zusammen.

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