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Mitteldeutsche Zeitung: Unglück/Sachsen-Anhalt Sachsen-Anhalt: Brandschutzexperte rätselt über Feuer in London

Halle (ots) - Der verheerende Großbrand in einem Hochhaus im Londoner Stadtteil North Kensington lässt Brandexperten in Sachsen-Anhalt ratlos zurück. Man stelle sich intern die Frage, wie sich das Feuer so schnell ausbreiten konnte, sagte Frank Mehr, Branddirektor am Institut für Brand- und Katastrophenschutz in Heyrothsberge (Jerichower Land), der in Halle erscheinenden Mitteldeutschen Zeitung (Donnerstagausgabe). "Bei uns in Deutschland ist es so, dass wir einen sogenannten vorbeugenden Brandschutz haben", so Mehr. Dieser sorge dafür, dass sich ein Feuer nicht so rasend schnell von einer abgeschlossenen Wohneinheit auf die nächste ausbreitet könne. Ob es im 24-stöckigen Hochhaus in London Versäumnisse beim Brandschutz gegeben haben könnte, darüber wollte der Experte keine Vermutungen anstellen.

Bei einer Einschätzung, ob es in Sachsen-Anhalt zu Katastrophen ähnlichen Ausmaßes kommen könnte, reagierte Mehr verhalten. "Es wäre vermessen zu sagen: ,So was kann bei uns nicht passieren.´" Aus Sicht des Brandschutzes werde jedoch alles getan, um so etwas zu verhindern. Dabei verwies der Experte auf die enge Verzahnung von vorbeugendem und abwehrendem Brandschutz. Der vorbeugende Brandschutz ist eine Einheit der Feuerwehr, die sich im Vorfeld mit der Verhütung von Bränden in Gebäuden befasst. Sie kümmert sich laut Mehr zum Beispiel darum, "dass Mauerdurchbrüche, wo Rohrleitungen von einer Wohnung in die nächste gehen, derart verschlossen werden, dass das Feuer dort nicht durchkommt." Auf diese Maßnahmen muss sich der abwehrende Brandschutz - konkret die Feuerwehreinsatzkräfte - unter anderem bei der Brandbekämpfung verlassen können. Zum Standard gehört es laut Mehr auch, dass Hochhäuser hierzulande eine Standsicherheit von 90 Minuten haben. Das heißt, Feuerwehrleute haben die Gewissheit, dass sie anderthalb Stunden Zeit haben, um in die Gebäude gehen zu können und Menschen zu retten, bevor es zu einem Einsturz in Folge des Brandes kommen könnte.

Der Brandschutzexperte wies zudem darauf hin, dass die Einsatzmöglichkeiten der Feuerwehren begrenzt sind. Bei einem solchen Großbrand könne die Rettung von Personen außerordentlich schwierig sein. Eine Rettung über einen Hubschrauber etwa funktioniere aufgrund der Thermik nicht. Auch eine Höhenrettung mit Seilen sei bei einem Vollbrand nicht anwendbar, weil die Seile ebenfalls brennbar seien. "Damit muss man resümieren, dass die Feuerwehr Einsatzgrenzen hat, die irgendwann erreicht sind", so Mehr.

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