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Lausitzer Rundschau

Lausitzer Rundschau: zu: Die Schonfrist für Schwarz-Rot ist vorbei

Cottbus (ots)

Wären die Wähler nicht der Souverän, dann könnte
man tatsächlich wie FDP-Vize Rainer Brüderle zu dem Schluss kommen, 
die großen Parteien hätten beim jüngsten Wahlsonntag eine Verabredung
getroffen, um sich einer brutalstmöglichen Schonung zu versichern. In
Stuttgart glänzt die Union, in Mainz die SPD und Magdeburg wird 
großzügig geteilt. Sei es drum. Gerade weil das Wählervotum unter dem
Strich weder Union noch SPD blamierte, können beide Lager endlich 
ohne gegenseitiges Misstrauen operieren. Das Sprachbild von einer 
CDU, die sich auf dem Sonnendeck räkelt und der SPD, die im 
Maschinenraum schuftet, taugt nicht mehr für taktische Spielchen.  
Auch wenn der gegenteilige Eindruck vorherrscht: In den ersten 120 
Tagen der großen Koalition ist innenpolitisch viel passiert. Man 
denke nur an die gemeinsamen Beschlüsse zur Anhebung der 
Mehrwertsteuer oder zur Abschaffung der Eigenheimzulage. Die 
schrittweise Einführung der Rente mit 67 war ebenfalls eine unbequeme
Entscheidung mit weit reichender Bedeutung. Insofern markiert der 
jüngste Wahlsonntag nicht den Anfang des politischen Tuns, wohl aber 
das Ende einer gefühlten Vorläufigkeit. Es ist ja wahr, dass noch 
zahlreiche große Brocken aus dem Weg zu räumen sind und Schwarz-Rot 
sich über das Wie in Schweigen hüllte. Das geht nun nicht mehr. Wie 
hält es die große Koalition mit der Gesundheits- und Pflegereform? 
Wie sieht der Energiemix der Zukunft aus? Was läuft beim 
Bürokratieabbau und auf dem Arbeitsmarkt? Wird der Kündigungsschutz 
weiter gelockert oder nicht? Wie lassen sich die gigantischen 
Familienausgaben von jährlich fast 100 Milliarden Euro endlich in 
mehr Kinder- und Familienfreundlichkeit ummünzen? Diese 
Konfliktpotenziale werden das politische Geschehen in den kommenden 
Wochen und Monaten bestimmen. Und die große Koalition wird daran 
gemessen werden, ob sie nur einen Formelkompromiss zur 
wechselseitigen Gesichtswahrung schmiedet, oder tatsächlich 
Entscheidungen trifft, die der Sache gerecht werden. Schwarz-Rot ist 
mit viel Vorschusslorbeer an den Start gegangen. Die erschreckend 
niedrige Wahlbeteiligung vom letzten Sonntag deutet Ernüchterung an. 
Um die Menschen wieder für Politik zu begeistern, muss die große 
Koalition klare Ziele definieren. Im Augenblick verstärkt sich der 
Eindruck, dass alles schlechter wird. Wohin entwickelt sich der 
Sozialstaat? Was soll davon als zentraler Baustein unserer Demokratie
erhalten bleiben? Die Rahmenbedingungen für eine Beantwortung solcher
Fragen sind günstig: Beide Volksparteien sind zum gemeinsamen Erfolg 
verdammt.

Rückfragen bitte an:

Lausitzer Rundschau

Telefon: 0355/481231
Fax: 0355/481247
lr@lr-online.de

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