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Lausitzer Rundschau: Razzia im Schloss
Ermittler durchsuchen Glaeseker-Büro
Von Stefan Vetter

Cottbus (ots) - Die Staatsanwaltschaft ermittelt im Schloss Bellevue - das hat es in der Geschichte des Bundespräsidialamtes noch nie gegeben. Zwar galt die spektakuläre Visite nicht dem Präsidenten persönlich, sondern "nur" seinem ehemaligen Sprecher Olaf Glaeseker. Doch was heißt das schon? Von Christian Wulff stammt der Satz, dass Glaeseker und er wie siamesische Zwillinge seien. Da fällt es schwer zu glauben, dass Wulff so gar nichts mit jenem Dunstkreis aus Glamour, Gefälligkeit und mutmaßlicher Bestechung zu tun haben soll, der Glaeseker nun zum Verhängnis zu werden droht. Warum Wulff seinem Adlatus im Dezember den Stuhl vor die Tür gesetzt hat, liegt bis heute im Dunkeln. Ahnte das Staatsoberhaupt schon damals, was ihm da noch ins Haus stehen könnte? Man weiß es nicht. Klar ist aber, dass sich Wulff und Glaeseker in einer zwielichtigen Welt bewegt haben, die eines Staatsoberhauptes unwürdig ist. In ihrer Hilflosigkeit fällt Angela Merkel nichts anderes ein, als Wulff erneut ihre Solidarität zu versichern. Der Bundespräsident, so die Kanzlerin, werde "viele weitere Akzente für unser Land und unser Zusammenleben setzen". Wohl wahr, nur sind es eben keine guten. Niemand kann Wulff zum Rücktritt zwingen. Das ist in der Verfassung praktisch nicht vorgesehen. Der Bundespräsident muss darüber allein entscheiden. Viel Schlimmeres als eine Razzia in seinem einstigen persönlichen Umfeld kann es aber kaum noch geben. Wulffs Ansehen auch in der Bevölkerung ist auf einem Tiefpunkt angelangt. Und durch die jüngste Hiobsbotschaft über seinen einstigen Sprecher dürfte es damit noch weiter abwärts gehen. Das hat Deutschland nicht verdient.

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