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Lausitzer Rundschau: Von der Rolle

Cottbus (ots) - Ganz bescheiden gab sich die CSU am Wochenende auf ihrem Münchner Parteitag. Kein Pomp, kein Getöse. Auf den sonst üblichen Hochmut gegenüber der politischen Konkurrenz verzichtete man weitgehend. Die Wahlniederlage vor zwei Jahren hat der Partei sichtlich gut getan. Ebenso die Tatsache, dass sie jetzt im Freistaat die Macht mit der FDP teilen muss. Die Delegierten durften nach Herzenslust diskutieren, die Führung wagte es nicht, irgendetwas abzuwürgen. Aus Angst, es könne sich spontaner Unmut entladen. Allerdings fiel man gleich ins andere Extrem. Dass sich die bayerische Volkspartei einen ganzen Tag lang emotionsgeladen um die Frauenquote in ihren Vorständen stritt, war doch gewöhnungsbedürftig. In diesem Moment wirkten die Christsozialen mehr wie jene Selbstfindungsgruppe, die man sonst gelegentlich auf Parteitagen der Grünen und der SPD erlebt. Zur Aussetzung der Wehrpflicht, die viel mehr Wähler interessiert, meldete sich hingegen niemand zu Wort. Was wichtig ist und was nicht, ist ein wenig durcheinander geraten bei den Blau-Weißen. Die Staats- und Volkspartei CSU ist momentan von der Rolle, sie weiß, wer sie war, aber nicht mehr, wer sie ist und vor allem nicht, wer sie in der Zukunft sein soll. Modern, liberal, sozial? Das ist sie inzwischen in vielen Politikfeldern, auch endlich in der Familienpolitik. Oder traditionell, rechtskonservativ, rückwärtsgewandt? Die Beschlüsse zur Zuwanderung entsprechen eher dieser Position. Zur widersprüchlichen Zustandsbeschreibung passt, dass die Partei gerade einen Vorsitzenden hat, Horst Seehofer, der auch nur zwei Stimmungslagen kennt: Diva oder Despot. Er verordnet innerparteiliche Demokratie, aber gibt keine Orientierung. Im Gegenteil, er verwirrt mit nahezu jedem seiner Auftritte die Mitglieder noch mehr. Dass er es am Sonnabend bei seiner Rede in München einmal nicht tat, rettete ihn über denTag. Aber die Verunsicherung ist da und sucht nach Auflösung. Dieses Bedürfnis wird bis zur Landtagswahl 2013 noch zunehmen, falls die Umfragen sich nicht bessern. 40 Prozent und darunter sind für die CSU absolut inakzeptabel. Ein großer Schnitt liegt in der Luft. Mit Karl-Theodor zu Guttenberg wartet eine ganz neue Generation darauf, die CSU in die Zukunft zu führen, eine Generation, die sich nicht mehr an Stoiber misst und schon gar nicht an Strauss. Und dann ist die CSU endgültig eine normale Partei geworden.

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