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Lausitzer Rundschau: Joachim Löw bleibt Trainer der deutschen Nationalelf

Cottbus (ots) - Und der neue Bundestrainer heißt: Matthias Sammer. Noch vor zwei Monaten sprach vieles dafür, dass der gebürtige Dresdner nach der WM in Südafrika das zweitwichtigste Amt im Staate übernehmen würde: Das Tischtuch zwischen der Spitze des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) und Joachim Löw schien zerschnitten, seit im Winter eine vorzeitige Vertragsverlängerung spektakulär gescheitert war. Um Kompetenzen ging es, um den im Verband umstrittenen Team-Manager Oliver Bierhoff, auch ums liebe Geld. Dass Details aus den Verhandlungen an die Boulevardpresse lanciert wurden, hat Löw den DFB-Oberen nachhaltig übel genommen. Und die waren ihrerseits wenig amüsiert, dass der Bundestrainer einen angeblichen Handschlag-Vertrag öffentlich in Abrede stellte. Ende Mai dann die sportlichen Hiobsbotschaften: Mit Michael Ballack verlor Löw verletzungsbedingt seinen Kapitän, mit Heiko Westermann einen kompetenten Innenverteidiger. Ein Desaster in Südafrika schien unvermeidlich, Löws Ablösung wäre die Folge, DFB-Sportdirektor Sammer der naheliegende Nachfolger gewesen. Es ist anders gekommen. Joachim Löw hat den Machtkampf mit dem Verband dort gewonnen, wo einer Fußballerweisheit zufolge die Wahrheit liegt - auf dem Platz. Er hat ihn dank glanzvoller WM-Auftritte so vollständig gewonnen, dass er es sich leisten konnte, Theo Zwanziger vor dem Ja-Wort noch demonstrativ eine Weile zappeln zu lassen - kein Wunder, dass sich der DFB-Chef derzeit eine gewisse Amtsmüdigkeit anmerken lässt. Dagegen scheint die Euphorie um Joachim Löw keine Grenzen zu finden. Aber der Bundestrainer wird wissen, wie nahe Triumph und Versagen beisammen liegen. Und dass der glanzvolle WM-Auftritt viele Väter kennt - darunter einen knorrigen Holländer namens Louis van Gaal, der als Trainer des FC Bayern sowohl den WM-Jungstar Thomas Müller als auch den Weltklasse-Mittelfeldspieler Bastian Schweinsteiger erst erfunden hat. Van Gaals Vor-Vorgänger in München war übrigens ein gewisser Jürgen Klinsmann. Der galt noch 2006 als Heilsbringer des deutschen Fußballs - und wurde später als ahnungsloser Scharlatan verspottet, nachdem er beim deutschen Rekordmeister gescheitert war. Löw wird dieses Schicksal wohl erspart bleiben. Aber er muss mit einer ungeheuren Erwartungshaltung fertig werden: Halb Fußball-Deutschland scheint ja davon auszugehen, dass seine Elf auf Jahre hinaus jeden Gegner in Grund und Boden zaubert. So einfach wird es nicht werden, Fußball ist und bleibt ein Spiel der Unwägbarkeiten: Wer Titel holen will, braucht neben einem starken Team und einem guten Coach vor allem auch das Glück, dass zum richtigen Zeitpunkt alles zusammenpasst.

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