McAllister kritisiert Berliner Politikbetrieb / Ministerpräsident sieht Medienfixierung und ständige Verletzung der Vertraulichkeit / Abgrenzung zu Stil seines Vorgängers Wulff

Berlin (ots) - Der niedersächsische Ministerpräsident David McAllister findet die politische Kultur in Berlin befremdlich. "Dieses Durchstechen aus vertraulichen Sitzungen. Unterm Tisch SMS zu verschicken, das scheint Volkssport in Berlin zu sein", sagte der CDU-Politiker der taz-Wochenendausgabe. Zudem kritisierte er die Medienfixierung vieler Kollegen in der Hauptstadt. "Es geht manchen zu stark um sich. Die Kameras. Die Scheinwerfer. Man kann auch daran vorbeigehen."

Der 41 Jahre alte McAllister ist seit 2010 Regierungschef in Hannover und gehört dem Präsidium der CDU an. Er war nach eigenen Angaben noch nie in den Fernsehsendungen von Günther Jauch, Anne Will, Maybrit Illner oder Frank Plasberg. "Ich gehe selten in Talkshows. Schon gar nicht am Sonntag. Ich müsste um 13, 14 Uhr aufbrechen", sagte er der taz.

Am Sonntagabend wolle er für seine Familie da sein, statt bei Jauch aufzutreten. "Mein Eindruck ist: manche Dauergäste, die da Sonntagabend sitzen, haben kein Zuhause."

McAllisters Vorgänger Christian Wulff hatte sich als Ministerpräsident mit Hilfe seines Pressesprechers stark um sein Erscheinungsbild in Boulevardmedien bemüht. Hingegen sagte McAllister auf die Frage, wie er mit dem Boulevard umgehe: "Wer sich meldet, bekommt eine freundliche Antwort. Aber wir machen das nicht ständig proaktiv. Wir beschäftigen uns beispielsweise nicht damit, wie ich in die Boulevardmedien komme. Können wir McAllister mal hier anfüttern oder da anfüttern, dafür hab ich keine Zeit."

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