Ärzte der Welt

Ärzte der Welt in Idomeni: 40 Prozent der Flüchtlinge Kinder - untragbare Situation

München/Thessaloniki (ots) - Acht europäische Präsidenten von Ärzte der Welt besuchten Idomeni und andere medizinische Einsatzorte, um ihre Solidarität zu Griechenland zu zeigen und sich ein Bild von der Lage vor Ort zu machen. Das Fazit: Die Situation in Idomeni ist untragbar; auch wird die Umwandlung von offenen Registrierungszentren für Flüchtlinge in geschlossene Camps auf den Inseln abgelehnt. Ärzte der Welt bleibt vor Ort, um besonders schutzbedürftige Menschen zu versorgen.

Ärzte der Welt verurteilt, dass aus offenen Registrierungszentren für Flüchtlinge geschlossene Camps geworden sind. Das Netzwerk stellt sich klar gegen eine Zurückweisung der Flüchtlinge in die Türkei, wo ein Schutz der Menschen nicht garantiert ist. Es wurde dennoch entschieden, auch in den geschlossenen Camps weiter aktiv Hilfe zu leisten. In den Lagern leben viele unbegleitete Minderjährige und Kinder. "Diese und andere verletzlichen Gruppen hätten sonst keine andere Unterstützung mehr", sagt Dr. Zenker, Präsident von Ärzte der Welt, nachdem er die Lage vor Ort gesehen hat. "So können wir auch quasi als 'watchdog' über eventuelle Menschenrechtsverletzungen berichten".

Die Situation in Idomeni an der Grenze zu Mazedonien sei noch einmal anders dramatisch, so Zenker weiter. Vor allem die hohe Anzahl Kinder, die in dem Lagern unter völlig unerträglichen Bedingungen - und das mitten in Europa - leben, habe ihn erschüttert, aber er war auch über die hohe Zahl von Behandlungen von Menschen, die Gewaltanwendungen erlebt haben, erschrocken. Daniel Youkee, ein freiwilliger Arzt von vor Ort berichtet dazu: "Jede Woche behandeln wir 500 medizinische Fälle, die direkt auf die Bedingungen im Camp zurückzuführen sind".

Acht Präsidenten von Ärzte der Welt haben zur Situation in Idomeni folgendes festgehalten:

- In Idomeni sind die internationalen Standards für
  Flüchtlingsunterkünfte nicht eingehalten. Etwa 40% aller 
  Flüchtlinge, die in Idomeni gestrandet sind, sind heute Kinder. 
  Diese leben in einer völlig unzumutbaren Umgebung. Besonders diese 
  Kinder, aber auch schwangere Frauen, Menschen mit Behinderungen, 
  psychischen und körperlichen Problemen leiden in dieser Situation. 
  Unverzüglich muss eine Verbesserung der grundsätzlichen 
  Lebensbedingungen, der sanitären Anlagen, der 
  Lebensmittelversorgung und der medizinischen Versorgung 
  sichergestellt werden. Zusätzlich brauchen Frauen, die viel Gewalt 
  erlebt haben, geschützte und gesonderte Aufenthaltsräume.
- Die im Camp überlebenden Menschen sind täglich mit einer neuen Art 
  Gewalt konfrontiert: Militär- Hubschauber und Flugzeuge fliegen mit
  tosendem Lärm sehr tief über ihre Köpfe hinweg. Das versetzt Kinder
  zurück in den Albtraum, vor dem sie in ihrem Heimatland geflohen 
  sind. Wozu Angst, Tränen und traumatische Erinnerungen? 

Die acht europäischen Präsidenten von Ärzte der Welt fordern sichere, legale Wege nach Europa für die Menschen die aus Ländern kommen, in denen das Leben gefährdet ist; vor allem für Kinder müssen humane Aufnahmebedingungen geschaffen werden. Flüchtlinge sind ein Teil unserer gemeinsamen Zukunft. Auch müsse laut des Netzwerkes eine neue politische Strategie, die auf Solidarität basiert und Sicherheit für Flüchtlinge garantiere, auf den Weg gebracht werden.

Das Ärzte der Welt - Netzwerk ist in allen Stationen der Flüchtlings-Routen präsent, angefangen von Syrien, Pakistan, Jordanien, entlang der Balkanroute bis Schweden. Es ist enttäuschend zu sehen, dass die Politik in allen europäischen Ländern nicht auf die Stimmen der Bevölkerung hört, die immer wieder Solidarität mit den Flüchtlinge und Asylsuchende selbstlos aufbringen und einfordern, sondern stattdessen das EU-Türkei-Abkommen beschließt: Damit rücken die EU-Mitgliedstaaten immer weiter vom Wert der Solidarität und ihrer Verpflichtung zum Schutz von Flüchtlingen ab.

Pressekontakt:

Ute ZURMÜHL
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