Bundesgeschäftsstelle Landesbausparkassen (LBS)

Ohne mehr Neubau droht Wohnungsknappheit
Sozial Schwache wären als erste betroffen - Politik muss rechtzeitig auf Expansion umschalten - Steigender Wohnraumbedarf in den nächsten zwei Jahrzehnten

    Berlin (ots) - Die Landesbausparkassen haben eindringlich an die
Politik appelliert, die anhaltende Diskussion um den künftigen
Neubaubedarf zu versachlichen. Es sei einfach nicht wahr, dass die
Bundesrepublik künftig mit dem jetzigen Wohnungsbestand auskomme und
dieser nur anders verteilt werden müsse. Wer so redet, so
LBS-Verbandsdirektor Dr. Hartwig Hamm vor der Presse in Berlin, werde
seiner Verantwortung für das Grundbedürfnis Wohnen nicht gerecht -
insbesondere gegenüber sozial Schwachen, die einen Mangel an Wohnraum
als erstes zu spüren bekämen. Alle Anzeichen deuten darauf hin, dass
Deutschland bereits in wenigen Jahren vor einer neuen
Wohnungsknappheit stehen könnte. Dies sei das "natürliche Resultat"
einer weiter wachsenden Zahl von Haushalten bei gleichzeitig rapide
sinkender Neubautätigkeit.
    
    Hamm warnte davor, die gleichen Fehler wie Mitte der 80er Jahre
noch einmal zu begehen. Auch damals war die Rede vom "Vorrang der
Innenentwicklung" und von "unnötiger Versiegelung von Flächen". Die
Folge war eine Wohnungsnot, die zunächst in den Ballungsräumen begann
und schließlich fast das ganze Land überzog. Die Ausgangslage sei
heute nicht anders, auch wenn in Teilen der Republik Wohnungen leer
stünden. Man dürfe nicht dem Irrtum erliegen, die Sondersituation im
Osten sei ein tauglicher Maßstab für Wohnungsversorgung in den alten
Bundesländern. Hier werde zumindest in den prosperierenden
Wirtschaftszentren das Angebot an bezahlbarem Wohnraum bereits jetzt
wieder knapp. Und auch in Ostdeutschland gebe es erheblichen
Nachholbedarf für qualitativ gutes Wohnen, insbesondere im
Eigenheimsektor.
    
    An der Realität vorbei gehe auch die immer wieder zu hörende - und
auf den ersten Blick eingängige - These, dass wegen schrumpfender
Bevölkerung kein Neubau mehr notwendig sei. Die für die
Wohnungsnachfrage entscheidende Größe sei die Zahl der Haushalte.
Wegen des anhaltenden Trends zu kleineren Haushalten sei mindestens
für die nächsten zwanzig Jahre mit steigender Wohnungsnachfrage zu
rechnen, so Hamm. Dies gelte ganz unabhängig davon, wie sich
Geburtenraten und Zuwanderung entwickeln. Das Bundesamt für Bauwesen
und Raumordnung prognostiziert allein bis 2015 zwei Millionen
zusätzliche Haushalte. Im Übrigen habe Deutschland im internationalen
Vergleich eine relativ niedrige Pro-Kopf-Wohnfläche. Mit steigenden
Einkommen werde auch die Nachfrage nach größeren und besseren
Wohnungen wieder zunehmen. Dazu kommen weitere Effekte wie zum
Beispiel der wachsende Bedarf an Zweitwohnungen - ausgelöst durch die
zunehmende Mobilität der Arbeitnehmer.
    
    Hamm räumte ein, dass es sicher illusorisch ist, der drohenden
Wohnungsknappheit schon jetzt mit zusätzlichen Mitteln von Bund,
Ländern oder Gemeinden entgegen steuern zu wollen. Viel wäre aber
schon gewonnen, wenn die Politik jetzt den Neubau nicht zusätzlich
schwächt, sondern bestehende Instrumente aktiv einsetzt. Dazu gehöre
unter anderem die konsequente Mobilisierung von Baugrundstücken. Eine
restriktive Baulandpolitik habe in der Vergangenheit die Preise auf
Rekordhöhe getrieben und damit die Nachfrage-Potentiale für
Wohneigentum an den Rand gedrängt.
    
    "Nicht nachvollziehbar" ist vor allem, so Hamm weiter, dass trotz
drohender Engpässe auf dem Wohnungsmarkt auch noch am mit Abstand
wichtigsten Instrument der Neubauförderung, der Eigenheimzulage,
"herumgedoktert" werden soll. Allen Experten sei klar, dass die
Eigenheimzulage auch und gerade in den Ballungszentren ihre positive
Wirkung entfaltet. Laut amtlicher Baugenehmigungsstatistik ist in den
Wirtschaftszentren Westdeutschlands der Eigenheimbau sogar zunehmend
das wichtigste Standbein des Wohnungsbaus. Weitere Einschnitte bei
der Förderung würden deshalb vor allem die Brennpunkte der
Wohnungsnachfrage treffen und die Zukunftsfähigkeit der Städte als
Wohnstandorte gefährden.
    
    
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