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Rheinische Post: Kommentar
Erhitzte Briten = Von Martin Kessler

Düsseldorf (ots) - Die Briten gelten als Erfinder der politischen Vernunft. Abwägend, ausgleichend, pragmatisch, nutzenorientiert, freiheitsliebend und konsequent. Das war einmal. Die Debatte über den Austritt aus der Europäischen Union (EU) gerät zur Schlammschlacht, in der es ausschließlich um Emotionen und Karrieren geht. Not very British. Dass die EU nun nichts, aber auch gar nichts mit dem Eroberungswahn Hitlers zu tun hat, dürfte jedem Briten klar sein. Der frühere Londoner Bürgermeister und Brexit-Fan Boris Johnson spielt aber - gern auch gegen die Deutschen - genau mit diesen Ressentiments. Denn mit ihnen lässt sich in Großbritannien noch immer wunderbar Stimmung machen. Die Schuldenkrise und der Streit um die Aufnahme der Flüchtlinge haben den Kontinent tief gespalten. Wenn jetzt Großbritannien die EU verlässt, kommt es zu einer neuen Zerreißprobe. Das ist das eigentliche Drama des Brexit, nicht ob die Unternehmen ein paar Pfund mehr oder weniger verdienen. Doch über den Nutzen eines friedlichen Europa nachzudenken, das fällt den meisten Briten offenbar schwer.

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