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Rheinische Post: Kommentar
Anti-Amerikanismus = Von Matthias Beermann

Düsseldorf (ots) - Viel von der Empörung, die im Zusammenhang mit der US-Spionage gegen Deutschland hochkocht, beruht auf einem Missverständnis: Das deutsch-amerikanische Verhältnis ist keine Herzensangelegenheit. Bis zum Fall der Mauer war Deutschland der verlässlichste amerikanische Verbündete in Kontinentaleuropa, und die USA boten Deutschland die sicherste Garantie gegen einen sowjetischen Angriff. Amerikas Schutz wird nicht mehr gebraucht, aber auch Deutschland hat in amerikanischen Augen seine strategische Sonderrolle verloren. Dass US-Geheimdienste auch in Deutschland schnüffeln, darf daher nicht überraschen. Andere Verbündete tun es im Übrigen auch. Unerhört ist allerdings die Kaltschnäuzigkeit, mit der man in Washington die politischen Kollateralschäden in Kauf nimmt. Das Treiben von CIA und NSA ist Wasser auf die Mühlen eines latenten Anti-Amerikanismus in Deutschland, dessen Herolde bereits die Parole ausgegeben haben, wonach Obama schlimmer sei als Putin. Blanker Unsinn, gewiss. Aber er unterhöhlt eine Partnerschaft, die trotz allem essenziell bleibt.

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