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Rheinische Post: Stahl macht Schule Kommentar Von Thomas Reisener

Düsseldorf (ots) - Mit dem neuen Stahl-Tarif ist der IG Metall ein Coup durch die Hintertür gelungen: Erstmals mussten sich Arbeitgeber unter gewerkschaftlichem Druck dazu verpflichten, Leiharbeitern denselben Lohn wie fest angestellten Mitarbeitern zu zahlen. In einer exportlastigen Volkswirtschaft, die auf die immer stärkeren Schwankungen des Weltmarktes mit immer mehr Leiharbeit reagiert, kann die Bedeutung dieses Details gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Denn natürlich ist der neue Tarif ab sofort Maßstab für alle Branchen, die Leiharbeiter einsetzen - der Präzedenzfall ist in der Welt. Das hätten die Arbeitnehmer der Zeitarbeitsbranche trotz eigener Tarifverträge selbst nie geschafft: Erst die mächtige IG Metall mit ihrem hohen Organisationsgrad - 77.000 der 85.000 Stahlarbeiter sind in der Gewerkschaft - konnte sich in dieser Grundsatzfrage durchsetzen. Hinzu kam, dass die Leiharbeit in der Stahlwirtschaft mit einem Anteil von drei Prozent kaum eine Rolle spielt. In der Metall- und Elektroindustrie zum Beispiel arbeiten schon doppelt so viele Leiharbeiter. Die Regelung hat zwei Seiten. Sie ist fair, weil gleicher Lohn für gleiche Arbeit gezahlt wird. Aber sie vernichtet Jobs. Wie immer, wenn die Löhne steigen.

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