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Rheinische Post: Merkels Atomium

Düsseldorf (ots) - von Gregor Mayntz

Seit über fünf Jahrzehnten steht das Atomium in Brüssel für die friedliche Nutzung der Kernenergie. Die neun begehbaren, ins Riesenhafte vergrößerten Eisenatom-Modelle lassen wechselnde Perspektiven auf die Kernkraft zu. Ansonsten aber verharren sie stabil. Ganz anders Merkels Atomium. Die gelernte Wissenschaftlerin weiß, dass bei Zustandsveränderungen die einzelnen Bestandteile gehörig in Bewegung kommen. Sie ist als Physikerin vermutlich nicht überrascht, dass das Geschiebe und Gezerre um die Atomkraft derzeit eher an chaostheoretische Experimente als an geordnete politische Abläufe erinnert. Der Ausstieg aus dem Ausstieg soll der Atomwirtschaft das Dankeschön von jährlich 2,3 Milliarden Euro wert sein. Und das dauerhaft, obwohl die Regierung ihr nicht sagen kann, ob sie nur mit 28 Monaten (Justizministerium), 15 Jahren (unionsregierte Südländer), unbegrenzter (CDU-Mittelstand) oder überhaupt keiner (Saar-Müller) Verlängerung rechnen kann. Kein Wunder, dass Merkel öffentlich die Brennelementesteuer fixiert, intern aber erst einmal vertagt. Sie wird die Atome weiter schwingen lassen, bis sie innerhalb des künftigen Energiekonzeptes einen neuen belastbaren Zustand erreichen. Bleibt zu hoffen, dass Merkel an einem Polit-GAU, dem größten anzunehmenden Umfaller, vorbei kommt.

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