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Rheinische Post: Würde des Rücktritts

Düsseldorf (ots) - Ein Kommentar von Lothar Schröder:

Auf Rücktritte von Würdenträgern gibt es unterschiedliche Reaktionen: die Erleichterung darüber, dass quälende Debatten um die Schuld einer Person nun endlich beendet sind; oder den Respekt gegenüber einer Entscheidung, die weniger das Schicksal der eigenen Person, sondern das Ansehen des Amtes im Blick hat. Das ist der Unterschied zwischen Bischof Walter Mixa und der Bischöfin Maria Jepsen, die gestern den Schritt unternahm und dabei so fest und entschieden handelte wie einige Wochen zuvor bereits ihre Amtskollegin Margot Käßmann. Die Art und Weise der freiwilligen Amtsaufgabe verrät viel über das persönliche Amtsverständnis. Jepsen - die weltweit erste Bischöfin der evangelisch-lutherischen Kirche - hat Größe bewiesen. Sie hat aus den Vorwürfen, zu wenig Aufklärung bei Missbrauchsfällen betrieben zu haben, ihre Konsequenz gezogen. So unvorstellbar es ist: Dieser überzeugte und überzeugende Rücktritt schenkt Glauben, nämlich daran, dass der Würdenträger die Macht seines Amtes loslässt, weil er sich einer höheren Macht verpflichtet fühlt. Jepsens Lebensmotto lautet: "Wie Kinder fromm und fröhlich sein." Das beschreibt auch eine Unschuld, die Jepsen offenbar für sich nicht mehr einfordern konnte.

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