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Rheinische Post: Still, sauber, satt? Von Martin Bewerunge

    Düsseldorf (ots) - Still, satt und sauber: Auf diese drei Ziele beschränkt sich mittlerweile die Betreuung von Senioren in vielen deutschen Altenheimen. Vor allem still sollen sie sein, die Gebrechlichen, Verwirrten, die im hektischen Pflegealltag schnell vom Hilfsbedürftigen zum Hindernis werden in der Wahrnehmung von Betreuern, die ihren Beruf lieben, ihren Job aber hassen, weil sie hoffnungslos überfordert sind. Weil am Personal brutal gespart wird. Weil ein Viertel der immer knapper werdenden Zeit der Pflege noch für die Buchführung draufgeht. Still, satt und sauber? Die Uni Witten/Herdecke belegt mit beklemmenden Zahlen, dass selbst diese Ziele oft nicht mehr erreicht werden. Die Hälfte der Altenheim-Bewohner ist von Mangelernährung bedroht. Es gibt Alte, die bleiben stumm vor Scham, das eigentliche Problem aber ist die wachsende Zahl der Dementen, die sich nicht mehr artikulieren können, und ein Pflegepersonal, das zeitlich und fachlich immer weniger in der Lage ist gegenzusteuern. Still, satt, sauber  zu oft trügt der Schein. Ohne bessere Ausbildung und Bezahlung in der Pflege, ohne verbindlichere Vorgaben für die Personalstärke steht etwas auf dem Spiel, das unsere Verfassung ausdrücklich schützt: die Würde des Menschen.

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