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Rheinische Post: Alzheimer und unsere Witze

    Düsseldorf (ots) - von Wolfram Goertz

    Solange eine Gesellschaft Witze über eine Krankheit wie Alzheimer macht, geht es ihr - könnte man sagen - nicht schlecht genug. Witze über Vergesslichkeit sind so unsensibel, wie es Teile der Gesellschaft häufig sind. Aber zeugen Witze nicht auch von Hilflosigkeit? Sie schütteln ab und ertränken im Gelächter, was einem sonst schwer zu Herzen ginge - die Vorstellung, man vergesse leichteste Dinge und erkenne selbst die liebsten Menschen nicht mehr. In die kollektive Hilflosigkeit mischt sich die medizinische Ohnmacht, dass Demenz-Krankheiten schlecht zu behandeln sind. Zugleich werden sie zu spät erkannt, was wiederum mit den Witzen zu tun hat. Witze über Krankheiten sind die Fassaden des Tabus. Sie lassen die Nähe der Gefährdung nicht zu. Wer ginge schon freiwillig zum Arzt mit dem Ausruf: "Ich vergesse neuerdings viel!" Angehörige neigen verständlicherweise dazu, Alzheimer-Frühwarnzeichen zu ignorieren. Ist nicht jeder mal vergesslich? Der Tadel der Selbsthilfegruppen, dass Hausärzte Alzheimer-Symptome ihrer Patienten zu spät erkennen, ist überzogen. Man kann nicht vom Allgemeinmediziner verlangen, dass er jeden Patienten auf jede mögliche Erkrankung hin untersucht. Genau zuhören sollte er aber schon. Ebenso wichtig ist, dass das geplante Demenz-Forschungszentrum in Bonn die reichen Mittel bekommt, die es braucht.

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