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Rheinische Post: Justizblamage Krahestraße Kommentar Von Reinhold Michels

    Düsseldorf (ots) - Es heißt, die Mühlen der Justiz mahlten langsam, aber gründlich. Das trifft weit überwiegend zu. Kurz vor dem 60. Geburtstag der Bundesrepublik, deren Fundament das Grundgesetz ist, sollte man auch einmal die in der Verfassung garantierte Rechtsstaatlichkeit hervorheben. In aller Regel wurde und wird sie in Deutschland mit Leben gefüllt. In seltenen Fällen jedoch entgleitet sie ins Absurde. Das schon jetzt legendäre Strafprozess-Monstrum "Krahestraße Düsseldorf" zeugt davon. Zu behaupten, Justiz und Justizverwaltung hätten sich nicht mit Ruhm bekleckert, verharmlost die aktenkundigen behördlichen Schludrigkeiten und juristischen Fehler. Die Angelegenheit, die wegen der sechs Mordopfer nicht Posse zu nennen ist, stellt eine herbe deutsche Justizblamage dar. Was müssen erst die Hinterbliebenen der heimtückisch Getöteten denken, wenn sie das scheinbar nicht endende Spiel mit dem Rechtsstaat beobachten, das einem erst nach elf Jahren (!) rechtskräftig verurteilten Mittäter gelungen ist. Auch dem Mörder N. steht der Rechtsweg offen (Artikel 19 IV, Grundgesetz), soweit ihn die öffentliche Gewalt in seinen Rechten verletzt. Nur steht nirgendwo geschrieben, dass der Rechtsstaat Schlafmütze zu tragen hat, wenn ein aufgeweckt agierender Schwerkrimineller alles daran setzt, dem Gefängnis zu entgehen.

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