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Rheinische Post: Täter - unbelehrbar

    Düsseldorf (ots) - von Jörg Isringhaus

    Die Bilder eines Attentäters im Trikot der deutschen Fußball-Nationalmannschaft, gefilmt von einer Überwachungskamera am Kölner Hauptbahnhof, gingen 2006 um die Welt. Sie zeigten, wie nah Deutschland an einer Katastrophe vorbei geschliddert war, aber auch, wie alltäglich, wie unsichtbar das Gesicht dieses Schreckens ist. Mohamad El Haj Dib, der gestern zu lebenslanger Haft verurteilte Haupttäter, trugt ein Ballack-Trikot, die Nummer 13. Man betrachtete diese Bilder entsetzt, doch gleichzeitig auch erleichtert - den Reisenden in den Regionalzügen war zum Glück nichts passiert. Zum Aufatmen aber gibt es kaum Anlass. Das beweisen die gestreckten Mittelfinger, mit denen der Angeklagte gestern die Fotografen bedachte. Was für die Verteidigung nur Ausdruck von "Erschöpfung und Aufregung" war, belegt in Wirklichkeit den unbelehrbaren Fanatismus, mit der radikale Islamisten die westliche Welt betrachten. Es war eine der wenigen spontanen Regungen des Angeklagten und wohl eine seiner ehrlichsten. Die Selbstinszenierung eines reuigen Sünders, der nur erschrecken wollte, weicht dem Bild eines unbeherrschten Provokateurs. Am Ende bleibt hilfloses Unverständnis  und die Befürchtung, dass sich Glück nicht pachten lässt.

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