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Weser-Kurier: Über die Zuschauer bei Olympia schreibt Tobias Käufer:

Bremen (ots) - Das war nicht nett: Erst pöbeln die argentinischen Fans, dann zeigen auch die Brasilianer alles andere als eine gute Kinderstube. Das sorgt für Irritationen an den Bildschirmen draußen in der großen weiten Welt des olympischen Sports. Und es fällt auch deswegen besonders auf, weil im Stadion, das immer noch den Namen des inzwischen verstorbenen FIFA-Diktators Joao Havelange trägt, immer so viel Platz ist, um sich nach Herzenslust auszubreiten. Böse Pfiffe statt Begeisterung, so hatte sich das niemand gewünscht. Eigentlich war die Olympische Familie davon ausgegangen, dass die "Cariocas", wie die Einwohner Rio de Janeiros heißen, ein herzensgutes, feierwütiges und begeisterungsfähiges Völkchen sind. So kannte man das aus dem Fernsehen: Samba, Karneval und gute Laune. Im Kleingedruckten stand bislang nichts davon, dass sie auch böse sein können. Will man solche Gastgeber, die pfeifen und buhen, wenn Stabhochspringer oder Beachvolleyballer mit temporärem Migrationshintergrund versuchen, sich gegen die einheimischen Gastgeber zu behaupten? Die gestandenen Olympioniken die Tränen der Enttäuschung in die Augen treiben, weil sie dann erst recht ausgepfiffen werden, weil sie sich dagegen wehren. Und die peinlich sind für die Partycrasher vom Zuckerhut, weil sie es nicht schaffen, sauberes Wasser ins Schwimmbad zu pumpen oder Schwerverletzte schnell zu behandeln. Gut, dass es in diesem Falle Hausmeister gibt. Die haben im Olympiastadion sogar ein nettes Plätzchen, von wo aus sie alles überblicken und jedes Vergehen ahnden können. Doch den Hausmeistern, dem IOC, dem Bürgermeister, dem lokalen Organisationskomitee und den Schiedsrichtern scheint es egal, wenn die Zuschauer über die Stränge schlagen und sich unfair gegenüber den Gästen verhalten. Die Kultur des Fußballs scheint sich nun auch in der bislang eher freundlichen Welt des Sports durchzusetzen. Und dafür gibt es bestimmt keine Goldmedaille.

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