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Weser-Kurier: Kommentar von Marc Hagedorn über Franz Beckenbauer

Bremen (ots) - Jetzt hat er also doch geredet. Nach Wochen des Schweigens hat Franz Beckenbauer der Süddeutschen Zeitung ein Seiten füllendes Interview gegeben. Er hat viel erzählt, aber wenig verraten. Wie das nun wirklich war mit dem ganzen Geld rund um die WM-Vergabe, weiß man immer noch nicht. Trotzdem ist es ein erhellendes Gespräch, das die Journalisten mit dem Kaiser führten. Man weiß jetzt nämlich, wie Franz Beckenbauer sich selbst in diesem globalen Millionen-Spiel sieht: als ganz kleines Licht, fast wie einer, der eher aus Versehen auf die große Bühne des Weltfußballs mit all ihren Fallstricken geraten ist. Beckenbauer schildert sich als einen Menschen, dem dienstbare Geister zeit seines Lebens all die lästigen Dinge des Alltags abgenommen haben: Verträge, Rechnungen, zur Not auch den Austausch einer Glühbirne. So wie Katsche Schwarzenbeck ihm früher auf dem Platz die Gegner vom Hals gehalten hat, so hielten im wahren Leben clevere Geschäftsleute wie Robert Schwan oder Fedor Radmann alle Unannehmlichkeiten von ihm fern. Man kann das anrührend finden oder charmant, wenn sich ein Großer wie Franz Beckenbauer so klein macht. Ja mei, so ist er halt, der Franz.<ET>.<ET>. Dieses Nonchalante, das stets auch sein Fußballspiel umgab, wirkt jetzt aber, da es um Vorwürfe wie Korruption geht, völlig deplatziert. Seine Ahnungslosigkeit, egal ob echt oder vorgetäuscht, ist einfach nur ärgerlich.

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