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Weser-Kurier: Kommentar von Mirjam Moll zu Griechenland und EU

Bremen (ots) - Von einem Silberstreif am Horizont, wie die griechischen Zeitungen schreiben, kann keine Rede sein. Denn schon einmal hatte man sich darauf geeinigt, dass Griechenland sich an die Reformen halten müsse, schon einmal hatte Alexis Tsipras Besserung gelobt - um dann das Gegenteil zu tun. Der sogenannte Durchbruch in der Nacht zum Freitag ist damit wohl eher ein Durchbrüchlein. Denn mehr als die Zusage des Syriza-Chefs, nun endlich konkrete Reformpläne statt leerer Versprechungen zu liefern, hat man auch jetzt wieder nicht bekommen. Andererseits ist Tsipras mit seinem Vorhaben, "auf Augenhöhe" mit den größten Geldgebern der Eurogruppe zu verhandeln, auch nicht weit gekommen. Während er in Brüssel auf Granit beißt, bröckelt in der Heimat langsam die Unterstützung für seinen Radikalkurs. Viele Hellenen wünschen sich endlich Ruhe. Denn die Griechen wollen im Euro bleiben und fürchten die Konsequenzen eines Ausstiegs. Den schließt man in Brüssel jetzt nicht mehr kategorisch aus, was richtig ist: Mit dem Ausschluss des Ausstiegs hatte man Tsipras lange einen Trumpf in die Hand gegeben, den er nun endgültig verspielt hat. Entweder Reformen oder der Absturz Griechenlands - einen Mittelweg gibt es nicht. Lange wird der junge Wilde seine Revoluzzerspielchen nicht mehr treiben können.

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