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Weser-Kurier: Zum EU-Gipfel schreibt Mirjam Moll:

Bremen (ots) - Der griechische Regierungschef Alexis Tsipras hat sich festgefahren. Doch daran ist nicht etwa die Troika schuld, sondern die jahrelange Misswirtschaft früherer Regierungen in seinem eigenen Land. Niemand hat gesagt, dass es leicht würde, die geforderten Reformen umzusetzen. Aber sie sind notwendig, wenn Athen langfristig gesunden soll. Stattdessen sorgt Tsipras mit immer neuen Ausflüchten für Ungeduld. Die widersprüchlichen Aussagen seines Finanzministers Gianis Varoufakis will niemand mehr hören, für dessen Alleingänge hat niemand mehr Verständnis. Mit dem nicht abgesprochenen Sozialprogramm für die Ärmsten des Landes hat Tsipras auch das letzte Fünkchen Vertrauen der Geldgeber weggefegt. In Brüssel weiß man, dass das bisherige Rezept sehr wohl funktioniert - das haben Irland, Portugal, Spanien und sogar Zypern bewiesen. Vielleicht stand es um keines der Länder so schlimm wie um Griechenland - doch zumindest Zyperns Finanzprobleme 2010 kamen jenen in Athen schon sehr nahe. Hätte Griechenland statt einer Steuererhöhung für Otto-Normalbürger eine Steuerpflicht für die milliardenschweren Reeder vorgeschlagen, wäre dies sicher ohne Weiteres akzeptiert worden. Doch in diese Richtung hat man aus Athen auch unter der neuen Regierung noch nichts vernommen - im Gegenteil: Varoufakis möchte die Reeder nicht verprellen. Bei so viel Widersprüchen ist es nicht verwunderlich, dass Tsipras nun in einer Sackgasse gelandet ist. Die einzige Möglichkeit, die ihm nun bleibt, ist die Umkehr. Denn wenn er den Karren gegen die Wand fährt, wird aus Brüssel niemand mehr eingreifen.

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