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Weser-Kurier: Kommentar von Mirjam Moll zur South Stream-Pipeline

Bremen (ots) - Auf die Ankündigung aus Moskau, das Gemeinschaftsprojekt South Stream aufzugeben, hat kaum jemand reagiert. Warum auch? Einen Grund zur Aufregung gibt es nicht. Wladimir Putins Gebärde ist eine leere Drohung. Aus dem Vertrag mit der Union auszusteigen, kann sich Russlands Präsident gar nicht leisten. Längst haben die Sanktionen im Zuge des Ukraine-Konflikts ihre Wirkung entfaltet, gerade haben die USA die EU zu Gesprächen über eine Verschärfung der Repressalien gebeten. Russland boykottiert im Gegenzug Exportprodukte aus der Union und Amerika. Damit schneidet es sich aber ins eigene Fleisch, weil es sich den Zorn der eigenen Bürger zuzuziehen droht, falls diese sich mit minderwertigen nationalen Produkten zufrieden geben sollen. Nun rasselt auch noch die NATO mit dem Säbel, die gestern beim Treffen der Außenminister beschloss, ihre Unterstützung für die Ukraine weiter auszubauen. Neue Geschäftsbereiche in Asien musste sich Moskau teuer erkaufen, Gewinne kann das wirtschaftlich marode Land so nicht einfahren. Selbst die Verträge mit der Türkei kamen nur zum Abschluss, nachdem der Kreml einen Preisnachlass von sechs Prozent zugesagt hatte. In Serbien hat sich Gazprom die Gas- und Erdölressourcen - der einzige Reichtum des Landes, das nach dem Jugoslawienkonflikt nur langsam auf die Beine kommt - zum Schnäppchenpreis gesichert - unmittelbar bevor der Bau der Pipeline begann und bevor Serbien offiziell Beitrittskandidat der EU wurde. Putin wollte nicht zusehen, wie ihm die Union buchstäblich das Wasser abgrub und der Ring ihrer Verbündeten aus dem Kreise seines Einflusses gelockt wurden. Seine leeren Drohgebärden verpuffen dennoch. Denn Russland braucht die EU mehr als die Union den Kreml. Eine Einsicht, die dem Präsidenten bislang noch ganz offensichtlich fehlt.

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