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Weser-Kurier: Über den Wowereit-Nachfolger Michael Müller schreibt Peter Gärtner:

Bremen (ots) - An diesen Namen muss man sich erst einmal gewöhnen: Michael Müller wird im Dezember die Nachfolge von Klaus Wowereit als Berliner Regierungschef antreten. So hat es die Basis der Berliner SPD mit überwältigender Mehrheit entschieden. Es ist ein überaus deutliches Zeichen an den Koalitionspartner CDU und eine lautstarke Aufforderung zur Geschlossenheit an die Partei. Denn selten wurde in den letzten Jahren einem Berliner Sozialdemokraten derart kräftig der Rücken gestärkt. Die Genossen beschäftigten sich zuvor vor allem mit sich selbst und den Ambitionen ihrer beiden Führungskräfte in Fraktion und Partei, die gestern gewiss auch für ihr Wowereit-Mobbing die Quittung erhielten. Denn seit der Regierungschef seinen Rücktritt angekündigt hat, gewinnt er nicht nur die Herzen vieler SPD-Mitglieder zurück. Es sind übrigens die gleichen Genossen, die Müller als Landesparteichef abgewählt haben und damit fast sein politisches Schicksal besiegelten. Jetzt ist der treue Wowereit-Weggefährte Müller zurück - und wie. Diesen Schub wird er auch dringend brauchen, denn es stehen schwierige Aufgaben an: der Pannen-Großflughafen BER muss endlich zum Start gebracht werden, der Wohnungsmangel nimmt rasant zu, und die soziale Schere öffnet sich immer weiter - von den gewaltigen Schulden ganz zu schweigen. Müller muss nicht nur einen eigenen Nachfolger als Stadtentwicklungssenator finden, sondern durch den angekündigten Rücktritt des erfolgreichen Finanzsenators Ulrich Nußbaum auch einen neuen Kassenwart. Er will Wowereits Weg solider Finanzen weitergehen und hat immerhin jetzt die Chance, als Regierender von Beginn an eigene Akzente zu setzen. Niemand sollte sich von seiner bieder-normalen Ausstrahlung täuschen lassen. Müller spricht gewiss den Durchschnitts-Berliner an, was bei den kommenden Wahlen 2016 durchaus hilfreich sein kann. Doch ist er nicht nur durchschnittlich: Den Dreikampf um Wowereits Erbe hat der mit Abstand politisch Erfahrenste des Trios gewonnen. Berlin bekommt also einen berechenbaren, soliden und auch machtbewussten Verwalter - er war Wowereits Wunschkandidat und ist zugleich ein Gegenentwurf zum bisherigen Dauerregenten.

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