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Weser-Kurier: Kommentar von Jürgen Hinrichs zu den Zuwendungen in Ritterhude

Bremen (ots) - Geschenke erhalten die Freundschaft, sagt der Volksmund. Und war es so? Gab es diese Freundschaft oder mindestens eine unziemliche Nähe? Besaßen die Kontrolleure des explodierten Chemiewerks in Ritterhude bei ihrer Arbeit nicht mehr das höchste Maß von Sorgfalt, Akribie und Hartnäckigkeit, weil der Betreiber sie jahrelang mit Präsenten milde gestimmt hat? Der Landrat von Osterholz schließt das aus. Erstaunlich, denn die hausinternen Ermittlungen in der Kreisverwaltung haben gerade erst begonnen. Noch erstaunlicher: Wie kann der Landrat so sicher sein, dass damals alles koscher gelaufen ist? Bernd Lütjen ist erst seit einem Jahr im Amt und kann die Vorgänge aus eigener Anschauung gar nicht kennen. Sich in so einem Verdachtsfall zunächst mal schützend vor seine Mitarbeiter zu stellen, mag ehrenhaft sein. Es ist aber voreilig und wird dem Ernst der Vorwürfe nicht gerecht. Der Unternehmer aus Ritterhude hat mit seiner "Landschaftspflege" planmäßig gehandelt. Er wird nicht so einfältig gewesen sein, sich von seinen Gaben sofort Erfolge zu versprechen. Natürlich nicht. Dafür waren die Einsätze in Form von Champagner oder Cognac viel zu klein. Wohl durfte er aber darauf hoffen, dass es die Atmosphäre befördert, wenn der Weihnachtsmann in den Amtstuben Jahr um Jahr seine Geschenke ablegt. Die Anwohner des Chemiewerks haben lange darum gekämpft, dass die gefährliche Produktion in ein Industriegebiet verlegt wird. Nach dem Explosionsunglück fühlen sie sich in ihren Befürchtungen bitter bestätigt. Sie haben Wut auf die Behörden, von denen sie sich mehr Hilfe erwartet hatten. Sie verstehen nicht, dass es keine Handhabe gab, das Werk umzusiedeln. Sie ärgern sich, dass auf ihre Warnungen nicht gehört wurde. Und jetzt erfahren die Anwohner, dass es zwischen Betreiber und Behörden eine Verbindung gab, die mindestens anrüchig war. So geht ein Vertrauen, das ohnehin schon erschüttert war, vollends den Bach runter.

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