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Weser-Kurier: Zum Kampf gegen ISIS schreibt Susanne Güsten:

Bremen (ots) - Die Dschihadisten-Gruppe "Islamischer Staat" (ISIS) entwickelt sich zu einer Bedrohung, die weit über Syrien und den Irak herausreicht. Seit der Menschenjagd der Extremisten auf die Jesiden im Irak und der Enthauptung des US-Journalisten James Foley ist auch der Westen aufgewacht. Die nordirakischen Kurden erhalten Waffen aus NATO-Ländern, US-Verteidigungsminister Chuck Hagel nennt ISIS eine Terrorgruppe, die so hoch entwickelt und finanziell so gut ausgestattet sei wie keine andere. US-Generalstabschef Martin Dempsey spricht von einer Organisation mit einer "apokalyptischen" Ausrichtung, die früher oder später besiegt werden müsse, und zwar im Zentrum des ISIS-Gebietes in Syrien. Eine Konfrontation mit ISIS in Syrien würde für den Westen aber genau das bedeuten, was er seit dem Ausbruch des Bürgerkrieges dort vor mehr als drei Jahren unter allen Umständen vermeiden will: eine Intervention. Bisher versuchen Amerikaner und Europäer mit Luftschlägen und Waffenlieferungen an die Kurden, ISIS Einhalt zu gebieten, ohne sich selbst militärisch ernsthaft engagieren zu müssen. Ob das reicht, ist ungewiss. ISIS zu besiegen, wird nicht nur militärisch schwer. In großen Teilen Syriens und des Iraks herrscht ein Machtvakuum, das die Extremisten füllen. Selbst wenn es dem zerstrittenen UN-Sicherheitsrat gelänge, sich angesichts der Bedrohung auf eine gemeinsame Linie im Syrien-Konflikt zu einigen, wäre das allerhöchstens der Anfang eines langen Weges, um die ISIS auszuschalten. Dasselbe gilt für den Fall, dass die Regierungskrise im Irak über Nacht neuer Einigkeit der Politiker in Bagdad weichen sollte. Selbst effizientere Wege, ISIS den Geldhahn abzudrehen, hätten voraussichtlich keine unmittelbare Wirkung: Spätestens seit ihrem Raubzug im Irak hat die Miliz ein eigenes Millionenvermögen, zudem macht sie Gewinne durch den illegalen Verkauf von Öl. Für eine effektive Bekämpfung des ISIS spielt ein Akteur eine Schlüsselrolle: die Türkei. Über ihre lange Grenze gelangt ISIS-Nachschub an Kämpfern und Material nach Syrien. Schärfere Kontrollen könnten diese Wege vielleicht nicht vollständig versperren, doch sie könnten der ISIS zumindest das Leben schwer machen. Ankara zögert - wegen 50 türkischer Geiseln in der Gewalt der ISIS und der Gefahr von Vergeltungsschlägen der Extremisten in der Türkei selbst. Auch bei einer möglichen westlichen Intervention in Syrien zur Zerschlagung der ISIS wäre die Türkei als NATO-Vertreter an der Grenze zum Machtgebiet der Extremisten von enormer Bedeutung. Deshalb sollten Amerikaner und Europäer sofort damit beginnen, sich mit Präsident Erdogan und Premier Davutoglu auf eine gemeinsame Linie zu einigen. Der Westen und die Türkei sollten ihre Geheimdienst-Kontakte ausbauen, um westliche ISIS-Kämpfer an der Reise nach Syrien zu hindern - nach dem zerschlagenen Porzellan der BND-Affäre keine Selbstverständlichkeit.

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