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Weser-Kurier: Kommentar von Susanne Güsten zur Wahl der Auslandstürken

Bremen (ots) - Die Reform sollte eine Benachteiligung von Millionen Menschen beenden, sie ist aber gründlich missglückt. Zum ersten Mal dürfen Türken in Deutschland an einer Wahl in ihrem Land teilnehmen, ohne dort hin reisen zu müssen. Doch nicht einmal zehn Prozent der rund 2,8 Millionen türkischen Auslandswähler haben sich fristgerecht zur Stimmabgabe für die Präsidentenwahl angemeldet. Der bürokratische Aufwand für die Anmeldung mag viele abgeschreckt haben. Was als Projekt für mehr demokratische Teilhabe angepriesen wurde, endet als Debakel. Dahinter vermuten Gegner von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan politische Motive. Die Wähler der Erdogan-Partei AKP seien von den gut organisierten Anhängern des Premiers an die Anmeldung erinnert worden - viele Oppositionswähler in Deutschland aber nicht. So werde Erdogan unverhältnismäßig viele Wählerstimmen erhalten. Allerdings hat Erdogan gar kein Interesse daran, dass weniger als zehn Prozent der Auslandstürken zur Urne gehen, denn die Türken in Deutschland und Europa sind tendenziell noch konservativer als die Wahlbürger in Anatolien. Vielleicht sollte die Regierung in Ankara die Briefwahl einführen, die es in der Türkei bisher nicht gibt. Sie funktioniert schließlich auch in anderen Ländern.

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