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Weser-Kurier: Kommentar von Reimar Paul zum Bergwerk Gorleben

Bremen (ots) - Das Bergwerk in Gorleben bleibt offen - ein bisschen jedenfalls. Wohl wird der bislang untersuchte Bereich des Salzstocks geschlossen, die Schächte und die Bohrlöcher werden aber nicht verfüllt. Bund und Land haben damit eine weitere Erkundung des umstrittenen Standortes erschwert, aber nicht unmöglich gemacht. Das Bergwerk kann jederzeit ohne großen Aufwand wieder flott gemacht werden. Bei der gestrigen Vereinbarung zwischen Bund und Land handelt es sich um einen klassischen Kompromiss. Auf der einen Seite setzt er - immerhin - ein weiteres kleines Zeichen für eine Endlagersuche ohne Vorfestlegung auf den Salzstock im Wendland. Auf der angeblich weißen Landkarte ist der Fleck Gorleben nicht mehr ganz so dick. Andererseits bleibt das Dorf im Wendland im Rennen - und das auch weiterhin in der Pole-Position. Weil wesentliche Bestandteile des Bergwerks erhalten bleiben, werden bei zukünftigen Vergleichen mit anderen Standorten immer auch die in Gorleben bereits geschaffenen Fakten eine Rolle spielen. Auch die schon investierten Milliarden Euro und das Castor-Lager gleich nebenan vom Bergwerk könnten als gewichtige Gründe eines Tages den Ausschlag für eine Standortentscheidung pro Gorleben geben. Gleichwohl, der Kompromiss trägt den Interessen vieler unterschiedlicher Akteure im Gorleben-Poker Rechnung. Und hilft ihnen, zumindest das Gesicht zu wahren. Die Industrie, die den Löwenanteil der bisherigen Entsorgungskosten getragen hat, kann weiter von der Tauglichkeit des Salzstocks ausgehen. Der Bund kann darauf verweisen, dass er es mit dem Neustart bei der Endlagersuche ernst meint. Und die atomkraftkritische Landesregierung in Niedersachsen wird sich zugute halten, Schlimmeres verhindert zu haben. Zudem bleiben die meisten Arbeitsplätze im Bergwerk zumindest vorerst erhalten. Für eine weitergehende, radikale Lösung - das von den Atomkraftgegnern angestrebte Zuschütten des Bergwerks - ist in diesem Ränkespiel kein Platz gewesen.

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