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Weser-Kurier: Kommentar von Wiebke Ramm zum neuen Mollath-Prozess

Bremen (ots) - Gustl Mollath hat genug von Psychiatern. Er verweigert dem Gutachter das Gespräch, will nicht einmal seine Anwesenheit im Gerichtssaal dulden. Es ist ihm nicht zu verdenken. Nicht nur bei Angeklagten führt die bloße Anwesenheit von Psychiatern zu einem Gefühl des Ausgeliefertseins. Bei Mollath ist dieses Unbehagen nach siebeneinhalb Jahren des Eingesperrtseins überaus begründet. Doch dieses Mal muss er sich keine Sorgen darüber machen, wie der Sachverständige seine Worte und Gestik wertet. Das liegt ausgerechnet an Mollaths ExFrau. Petra M. weigert sich, vor Gericht zu sprechen. Die Hauptbelastungszeugin schweigt. Für das Gericht bedeutet das: Es wird einen Teufel tun, lediglich aufgrund verlesener Äußerungen zu behaupten, er hätte sie geschlagen, gebissen und gewürgt. Nicht in einem Fall, der ein solches Beben in der Politik verursacht hat. Die Vorsitzende Richterin hat es schon am ersten Prozesstag angedeutet: Es sei noch gar nicht ausgemacht, dass ein Gutachten überhaupt benötigt werde. Denn wenn Mollath gar keine rechtswidrigen Taten nachgewiesen werden, muss auch seine Schuldfähigkeit nicht beurteilt werden. Und wie sollten Mollath angebliche Taten zweifelsfrei nachgewiesen werden, wenn diejenige, der er sie angetan haben soll, schweigt? Die Schwierigkeit einer Aussage-gegen-Aussage-Konstellation liegt darin, dass es eben nur zwei Menschen gibt, die bei dem fraglichen Ereignis dabei waren. Es ist schon schwer genug, bei zwei sich widersprechenden Aussagen die Wahrheitsfindung zu betreiben. Wenn es nur noch eine Aussage gibt, erübrigt sich alles Weitere. Niemand wird auf einer solchen Grundlage in die Psychiatrie eingesperrt. Gustl Mollath schon gar nicht. Was für das Gericht in Regensburg gilt, gilt ebenso für den Psychiater: Beide wollen verlorenes Vertrauen zurückgewinnen, das von Gustl Mollath und das aller anderen Bürger. Mollath muss weder das Gericht noch den Psychiater fürchten. Es ist nicht mehr sein eigener Ruf, der auf dem Spiel steht.

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