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Börsen-Zeitung: Aller guten Dinge sind drei, Kommentar zum Nasdaq-Gebot für die skandinavische OMX von Bernd Neubacher

    Frankfurt (ots) - Zweimal schon ist die Nasdaq mit dem Versuch gescheitert, nach Europa zu expandieren: Das verlustreiche, noch von seinen Vorgängern gewagte Abenteuer Nasdaq Europe beendete CEO Robert Greifeld gleich wenige Monate nach Amtsantritt im Herbst vor vier Jahren. Die Hängepartie, zu der sich im vergangenen Jahr die feindliche Offerte für die London Stock Exchange(LSE) auswuchs, hat er selbst zu verantworten. Nun streckt sich die US-Börse, die seit Monaten 1,6 Mrd. Dollar in den Aktien des britischen Marktbetreibers parkt, an die Decke und wendet vor allem mit Hilfe neuer Schulden 1,7 Mrd. Dollar für die Barkomponente der Übernahme des schwedischen Börsenbetreibers OMX auf.

    Das ist waghalsig. Doch hat Greifeld eine Wahl? Im globalen Konzentrationswettlauf der Börsen drohte die Nasdaq den Anschluss zu verlieren, und die Zahl der erhältlichen Akquisitionsobjekte scheint von Woche zu Woche kleiner zu werden. Vor diesem Hintergrund hat der Nasdaq-Chef eine Transaktion eingestielt, die erstaunlich wenig von einer Verzweiflungstat hat. Anders als die LSE verschafft OMX der Nasdaq den Eintritt nicht nur in den europäischen Aktien-, sondern auch in dessen Derivatemarkt. Mit dem knapp Achtfachen des Umsatzes und einer Prämie von 19% auf den Aktienkurs ist Greifeld zugleich ungleich günstiger zum Zuge gekommen als die Nyse, die das rund Zehnfache zahlte, oder als die Deutsche Börse, die zu Monatsanfang einen Aufschlag von rund 50% auf den Kurs berappte, um die Optionsbörse ISE zu kaufen.

    Das Problem der LSE-Beteiligung hat Greifeld mit dieser Übernahme freilich nicht gelöst. Wenn nun gestreut wird, die LSE könnte sich von einer um OMX erweiterten Nasdaq lieber übernehmen lassen, dann zeugt dies entweder von großer Naivität oder von logischer Notwehr. Gerade bei der LSE hat man nicht vergessen, dass OMX schon vor Jahren den Londoner Marktbetreiber ohne dessen Einverständnis übernehmen wollte.

    Durch die Expansion nach Europa und in dessen Derivatehandel gelingt es der Nasdaq, strategisch mit ihrem Widersacher Nyse gleichzuziehen. Der Druck, unter dem Greifeld steht, wird mit der Integration der OMX aber eher noch zunehmen. Denn angesichts der rasanten Konzentration im Börsensektor ist klar: Eine vierte Chance wird die Nasdaq nicht bekommen.

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