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Börsen-Zeitung: Auszeit, Kommentar zur Bank of England von Andreas Hippin

Frankfurt (ots) - Vermutlich hat die schnelle Regierungsbildung nach David Camerons Rücktritt mehr zur Aufhellung der Stimmung in der britischen Wirtschaft beigetragen als die weitere Lockerung der Geldpolitik durch die Bank of England. Mittlerweile deutet vieles darauf hin, dass in der Wirtschaft nach dem ersten Schock über die Entscheidung für den EU-Austritt wieder so gearbeitet wird wie davor - zumindest solange nicht klar ist, unter welchen Bedingungen der Brexit vonstattengehen soll. Am Kapitalmarkt herrscht wieder Business as usual, wenn man den führenden Vertretern der Finanzwirtschaft Glauben schenkt, die jüngst im Oberhaus davon Zeugnis ablegten.

Und so hat man sich in den festungsartigen Räumlichkeiten der Zentralbank in der Threadneedle Street offenbar so weit beruhigt, dass man nicht gleich wieder den Leitzins senken will. Die Auszeit tut gut, denn man hat dort nicht mehr viel Munition, zumal Gouverneur Mark Carney negative Zinsen explizit ausgeschlossen hat.

Viel Appetit auf andere geldpolitische Experimente wie etwa Helikoptergeld ist auch nicht vorhanden. Mit der Ankündigung, den Leitzins im November erneut zu senken, wenn sich die Wirtschaft bis dahin wie von den Ökonomen der Notenbank prophezeit entwickelt, soll Handlungsbereitschaft signalisiert werden. Inzwischen rechnen aber nicht mehr viele damit, dass die Prognosen der Bank of England eintreffen. Vieles deutet inzwischen darauf hin, dass im zweiten Halbjahr statt der bislang erwarteten Stagnation etwas Wachstum ausgewiesen wird. Zudem wird Schatzkanzler Philip Hammond am 23. November in seinem Autumn Statement darlegen, wie die öffentliche Hand die negativen Folgen des Brexit abfedern und Wachstum fördern will.

Mit einer Abkehr von der von Hammonds Vorgänger George Osborne verkörperten Sparpolitik ist zu rechnen. Dem wird Carney nicht vorgreifen wollen, indem er am 3. November den Zins noch weiter nach unten drückt. Um die Teuerungsrate braucht er sich vorerst nicht zu sorgen. Der Anstieg der Löhne und Gehälter hat sich abgeschwächt. Die Abwertung der Landeswährung und der wieder etwas höhere Ölpreis führen zwar dazu, dass Großbritannien Inflation importiert. Früher oder später ist dieser Effekt jedoch in den Vorjahresdaten enthalten, auf die sich die Statistik dann bezieht. Dann wird sich zeigen, dass sich das Inflationsziel der Zentralbank von 2,0 Prozent auf diese Weise nicht nachhaltig erreichen lässt. Die Bank of England hat ihr Möglichstes getan. Nun ist Hammond am Zug.

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