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Börsen-Zeitung: Vorübergehender Engpass, Kommentar zum Ölpreis von Dieter Kuckelkorn

Frankfurt (ots) - Der jüngste Preisanstieg am Ölmarkt ist beeindruckend. Einige Notierungen sind innerhalb von nur vier Handelstagen um 11% geklettert. Mit fast 50 Dollar je Barrel ist der Ölpreis weit von seinem Tief vom Januar von rund 28 Dollar entfernt.

Damit ist klar, dass die Tiefstkurse vom Jahresanfang eindeutig eine Übertreibung darstellten - trotz des hohen globalen Überangebots und einer sich in einem beklagenswerten Zustand befindenden Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec). Marktbeobachter wie etwa die Analysten der US-Investmentbank Goldman Sachs waren insofern gut beraten, ihre schon damals am Markt skeptisch gesehene Prognose eines weiteren Preisverfalls bis auf 20 Dollar schnell zu beerdigen - was sie allerdings auch bereits vor einigen Monaten getan haben.

Nicht übersehen werden darf aktuell aber auch, dass die zuletzt rasant erfolgte Erholung des Ölpreises auf eine Sonderentwicklung zurückzuführen ist. Es sollte nicht erwartet werden, dass es mit dem Preisanstieg rasant weitergeht. Allzu großer Optimismus hinsichtlich der weiteren Entwicklung ist nicht angebracht. Was sich nämlich derzeit auf dem Ölmarkt ereignet, ist ein ungewöhnliches Zusammentreffen preisstützender Ereignisse. War der Markt bis vor kurzem durch ein Überangebot von rund 2 Mill. Barrel pro Tag (bpd) gekennzeichnet, ist er nun aufgrund von Produktionsausfällen ins Defizit gerutscht. Nach Schätzungen der US-Regierung fallen aktuell rund 3,75 Mill. bpd aus. In Kanada ist die Förderung wegen der Waldbrände um 1 Mill. bpd zu niedrig, in Libyen fehlen kriegsbedingt gar 1,4 Mill. bpd und in Nigeria rund 800.000 bpd. Hinzu kommen weitere kleinere Produktionsausfälle rund um den Globus. Damit hat sich immerhin nun erwiesen, dass die Marktteilnehmer zu Jahresbeginn die geopolitischen Risiken unterschätzten, wie damals einige Beobachter auch schon vermutet hatten.

Zwar werden die aktuellen Probleme sicherlich nicht über Nacht verschwinden, man darf jedoch nicht den Fehler begehen, darin längerfristige Schwierigkeiten zu sehen, die den Ölpreis in der gesamten zweiten Jahreshälfte und darüber hinaus stützen könnten. So dürften Kanada und Nigeria in den nächsten Wochen wieder im normalen Umfang an den Markt zurückkehren.

Insofern könnte die aktuelle Schätzung von Goldman Sachs, die von einem Preisniveau in der zweiten Jahreshälfte von rund 50 Dollar ausgeht, durchaus realistisch sein.

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