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Börsen-Zeitung: Yellens Signal, Marktkommentar von Kai Johannsen

Frankfurt (ots) - Wie sich die Tonart von Notenbankern doch ändern kann. Und vor allem: Wie schnell sich diese Tonart ändern kann. Das dürften in der gerade abgelaufenen Woche nicht wenige Zinsanalysten, aber auch viele andere Marktteilnehmer gedacht haben, als sie die Ausführungen von Janet Yellen, Chefin der US-Notenbank Federal Reserve, vernahmen. Yellen hat den Märkten ein klares Signal gegeben. Und es dürfte am Markt auch angekommen sein, denn die Reaktionen sind wohl eindeutig, und sie werden sich vor diesem Hintergrund wohl auch noch fortsetzen.

Das darf man sich auf der Zunge zergehen lassen. Im Dezember schlägt eine auf internationaler Ebene nicht gerade unbedeutende Notenbank - nämlich die Fed - eine andere Gangart ein und erhöht erstmals seit rund einer Dekade wieder den Leitzins. Sie bereitet die Märkte darauf vor - monatelang - und liefert dann auch endlich jenen Zinsschritt. Im Urteil vieler Marktakteure kam dieser Schritt ohnehin schon viel zu spät. Den Märkten gibt sie damit natürlich auch ein klares Signal, nämlich dass nun die Zeit der ultratiefen Zinsen zwar noch nicht gleich ad acta gelegt werden sollte, aber sie gibt den Märkten die Richtung vor: Weiter herunter geht es nicht, ab jetzt geht es aufwärts. Und was geschieht nun? Die oberste US-Währungshüterin wird schon deutlich vorsichtiger, und von weiteren Anhebungen oder gar nur einem Stillhalten ist schon gar keine Rede mehr.

Noch keine Zinssenkung

Laut Fed-Chefin Yellen - das hat sie nun in Reden klargemacht - hat sich der Wirtschaftsausblick für die USA immer noch nicht so geändert, dass der nächste Schritt eine Zinssenkung wäre. Dem lässt sich eine sehr kurze Beurteilung des Sachverhalts anfügen: Ja, genau - noch nicht. Die US-Wirtschaftsdaten sind in der jüngeren Vergangenheit aber nicht mehr so positiv ausgefallen, dass man von einer robusten Verfassung der US-Konjunktur sprechen kann. Vielmehr waren negative Überraschungen an der Tagesordnung. Bestenfalls ließ sich noch mal von gemischten Daten sprechen. Die Daten geben per saldo aber die Richtung vor: Die US-Wirtschaft ist auf dem absteigenden Ast. Und bei guten Arbeitsmarktdaten ist immer zu berücksichtigen, dass sie für die Wirtschaft und damit auch für die Finanzmärkte zu den nachlaufenden Indikatoren zählen.

Doch damit nicht genug, Yellen ging noch einen Schritt weiter, und diese Äußerung ließ dann sehr tief blicken. Auch für die US-Notenbank sind laut Yellen negative Zinsen kein Tabu. Hört, hört! Gerade einmal acht Wochen nach der Zinsanhebung und dem einhergehenden Signal seitens der Fed spricht Frau Yellen von negativen Zinsen. Bei solch einer 180-Grad-Drehung darf man wohl von einer deutlich veränderten Wirtschaftseinschätzung seitens der Verantwortlichen bei der Fed ausgehen.

In ihrer Anhörung vor dem US-Senat schloss Yellen am Donnerstag nun also nicht mehr aus, dass die Fed auch zu diesem Mittel greifen könnte. "Ich würde dies nicht vom Tisch nehmen", sagte Yellen. Die Fed schaue sich das im Lichte der Erfahrungen in europäischen Ländern an. "Wir haben diese Bewertung noch nicht abgeschlossen", ergänzte die Fed-Chefin. Yellen fügte außerdem hinzu, dass man negative Zinsen bei der Notenbank schon einmal im Jahr 2010 erwogen habe, dann aber zu der Einschätzung gekommen sei, dass sie als Mittel der Wachstumsförderung nicht gut geeignet seien. Yellens Einschätzung von damals mag durchaus ihre Richtigkeit haben, wenn da nur nicht das "aber" wäre. Erstens: Heute könnte man zu einer durchaus anderen Einschätzung gekommen - nicht zuletzt aufgrund der Erfahrungen in anderen Ländern bzw. Währungsräumen. Zweitens: Es mag richtig sein, dass negative Zinsen kein gutes Mittel sind, um das Wachstum zu fördern, aber sie sind womöglich ein gutes Mittel, um die Inflation wieder auf Trab zu bringen. Und in den USA kann nicht gerade von besorgniserregend hohen Teuerungsraten gesprochen werden.

Schnell im Minus

Vielleicht entscheidet sich die Fed bei einem sich weiter eintrübenden Wirtschaftsausblick - die zunehmend prekäre Lage in der Industrie der Ölförderer lässt grüßen - und weiter verschlechtertem Inflationsausblick dann doch dafür, der heimischen Wirtschaft frühzeitig zur Seite zu springen und die Zinsen wieder zu senken. Und da es die Fed in der Vergangenheit versäumt hat, sich einen Puffer für Zinssenkungen im positiven Bereich aufzubauen, wird sie dann sehr schnell im negativen Bereich angekommen sein. Denn das wird mit gerade einmal zwei Zinssenkungen realisiert sein.

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