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Börsen-Zeitung: Klare Entscheidung, Kommentar zu Vonovia von Annette Becker

Frankfurt (ots) - An Eindeutigkeit lässt die Kursreaktion auf die gescheiterte Großübernahme am deutschen Wohnimmobilienmarkt nichts zu wünschen übrig. Sowohl die Aktie von Branchenprimus Vonovia als auch jene des störrischen Übernahmeziels Deutsche Wohnen setzten nach Bekanntgabe des vorläufigen Endergebnisses zum Kurssprung an. So bringen Investoren ihre Erleichterung zum Ausdruck.

Auch wenn das Ergebnis für die Führungsriege der Vonovia alles andere als ein Ruhmesblatt ist, haben alle Beteiligten vielfältige Erkenntnisse gewonnen. So ist nun quasi amtlich, dass die Investoren in deutschen Wohnimmobilienaktien verschiedene Geschäftsmodelle wünschen und der Größenwahn damit ein Ende gefunden hat. Anders ausgedrückt: Vonovia hat die marktführende Position gefestigt, obwohl die Übernahme scheiterte.

Zugleich steht fest, dass die Konsolidierung unter den börsennotierten Wohnungsgesellschaften abgeschlossen ist. Zwar ist nicht auszuschließen, dass sich Vonovia nach Ablauf der zwölfmonatigen Sperre noch einmal an den Berliner Rivalen heranpirscht. Übers Knie gebrochen wird dabei jedoch nichts, zumal es jetzt vor allem an Deutsche Wohnen (DW) ist, die eigene Erfolgsstory fortzuschreiben.

Kein leichtes Unterfangen, scheiterte DW-Chef Michael Zahn im Vorjahr doch gleich zweimal beim Versuch, aus der Berlinstrategie auszubrechen. Zwar gelang Ende 2015 der Kauf eines Portfolios von Wettbewerber Patrizia. Da es sich dabei jedoch um eine reine Abwehrmaßnahme handelte, gingen die Berliner preislich ans Limit. Ein Punkt, der von DW-Aktionären in der Rückschau womöglich noch thematisiert wird.

Keine Frage, das erbittert geführte Übernahmegefecht hat auf beiden Seiten Wunden hinterlassen. Zu hinterfragen ist sicherlich auch, wie sich das Management der Bochumer derart verschätzen konnte, zumal Vonovia-Chef Rolf Buch von Anbeginn zu verstehen gab, sich der Rückendeckung der Aktionäre versichert zu haben. Die Annahmequote von schmalen 30% ist keinesfalls nur dem volatilen Marktumfeld geschuldet.

Neben Nerven hat der Übernahmekampf auch Geld gekostet, und zwar auf beiden Seiten. Vonovia taxiert die Kosten auf einen niedrigen zweistelligen Millionenbetrag. Da das Beraterhonorar für die Banken überwiegend vom Erfolg abhängig gemacht wird, könnte es also sein, dass Deutsche Wohnen am Ende tiefer in die Tasche greifen muss - der Preis für die erfolgreiche Abwehrstrategie.

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